Ein zweiköpfiges Monster schwebt als böses Gespenst über der Parteitagsshow der Demokraten in Denver. «Bush-McCain» nennen sie es und suggerieren mit dieser Verbindung, dass dieses Gespann untrennbar zusammengehört - sonst wird auf diese Weise immer das Duo aus Präsidentschaftskandidat und seinem Vize benannt.
Indem der unbeliebte Amtsinhaber George W. Bush mit seinem republikanischen Nachfolgekandidaten John McCain gekoppelt wird, können die Demokraten den ersten hauen und den zweiten treffen. Damit reagieren sie auf das Problem, dass McCain wegen seines hohen Alters von 71 Jahren und vor allem wegen seiner Aura als Vietnamkriegsveteran als Person kaum angreifbar scheint.
In einer der zahlreichen Einpeitscherreden der «Democratic National Convention» nannte der Abgeordnete Rahm Emanuel den Kandidaten McCain drei Mal, «Bush-McCain» ebenfalls drei Mal und Bush zehn Mal. «George Bush hat die Mittelschicht in ein Loch gesteckt», rief Emanuel aus. «Und John McCain hat einen Plan, dieses Loch mit George Bushs Schaufel weiter zu auszuheben.» Dann wies er auf das unter Bush entstandene Haushaltsdefizit hin und sagte süffisant: «Mr. President, wir werden immer in Ihrer Schuld stehen.»
Senator Bob Casey sagte, dass sich McCain gern als Außenseiter in seinen eigenen Reihen darstelle. Aber dann habe er bei 90 Prozent der Abstimmungen für Bush gestimmt. «Das ist kein Außenseiter, das ist ein Handlanger», sagte Casey.
Wenn die Demokraten McCain als Fortsetzung der Politik Bushs darstellen, dann zeigen sie damit die Kehrseite zu ihrem eigenen Kandidaten Barack Obama, den sie als Mann des Wandels darstellen - der «Change» soll die ganze Nation erfassen, und dieses Motto sollte am Donnerstag auch im Mittelpunkt von Obamas großer Abschlussrede in Denver stehen.
McCain meidet die Nähe Bushs
Das Lager um die beiden Clintons würde die Attacken auf McCain gern forcieren, die engsten Anhänger Obamas aber sind zurückhaltend. Sie fürchten, dass eine zu harsche Kritik an dem 71-Jährigen ehemaligen Kriegsgefangenen im Vietkong-Lager kontraproduktiv sein könnte. Wegen dieser Lebensgeschichte müsse man bei Angriffen auf McCain vorsichtig sein, erklärt der Gouverneur von Tennessee, Phil Bredesen. Auch der Bürgermeister von Chicago, Richard Daley, rät zu Zurückhaltung: «Ich denke, Amerika hat genug davon, dass alle so negativ rüberkommen.»
McCain hat die Strategie der Demokraten natürlich erkannt und vermeidet es in diesen Tagen, an der Seite von Bush aufzutreten. Für einen Republikaner wird der Kandidat ungewöhnlich deutlich mit seiner Kritik am Weißen Haus. «Wir sind heute schlechter dran, als wir es vor vier Jahren waren», heißt es in einem Fernsehspot McCains. Aber ganz befreien kann sich der Senator nicht vom langen Schatten des Amtsinhabers. Bei einer Umfrage der Nachrichtenagentur AP mit dem Internet-Portal Yahoo gaben Ende Juni sechs von zehn Befragten an, sie erwarteten, dass McCain die Politik Bushs fortsetzen werde.
Auf ihrer Parteiversammlung in Denver taten die Demokraten alles, um diesen Anteil noch höher zu treiben. Am Dienstag wurden Pappschilder in der Menge verteilt mit einer doppelten Botschaft: Auf rotem Untergrund hieß es: «McCain: more of the same» (McCain: Noch mehr dasselbe). Die blaue Kehrseite aber verhieß: «Obama: change we need» (Obama: der Wandel, den wir brauchen).
Am Mittwoch war es vor allem der Vizepräsidentschaftskandidat Joe Biden, der die Republikaner attackierte. Anstatt die Person McCains anzugreifen, prangerte er aber ganz allgemein die Wirtschafts-, Sozial- und Außenpolitik des Weißen Hauses an.
Die Gleichsetzung von McCain mit Bush dient den Demokraten auch dazu, die Spaltung aus dem Vorwahlkampf endgültig zu überwinden. Hillary Clinton, bittere Verliererin und nun neuester Fan von Obama, haute in die gleiche Kerbe. «Es macht schon Sinn, dass George Bush und John McCain nächste Woche in den Twin Cities zusammen sein werden», sagte sie in ihrer umjubelten Rede in Anspielung an Minneapolis-Saint Paul, den Ort des republikanischen Wahlparteitags in der nächsten Woche. «Sie sind in diesen Tagen schrecklich schwer auseinanderzuhalten.»
