Aktionärsschützer und Kleinanleger haben die Übernahme der Mittelstandsbank IKB durch den US-Finanzinvestor Lone Star scharf kritisiert. Es sei fraglich, ob gerade eine «Heuschrecke» das einst renommierte Geldinstitut wieder für den Mittelstand salonfähig machen könne, sagte Hans-Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz am Donnerstag bei der Hauptversammlung der Bank in Düsseldorf. Der IKB-Vorstand setzt dagegen auf einen Neubeginn und erklärte, die Ursachen für die seit einem Jahr andauernde Krise seien nun bewältigt.
Durch die umfangreichen Rettungspakete und die Kapitalspritze der staatlichen Förderbank KfW seien alle riskanten Portfolioinvestments abgesichert, sagte IKB-Chef Günther Bräunig. Gleichzeitig kündigte er jedoch an, dass auch im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2008/09 mit neuen Belastungen zu rechnen sei.
Die bisherige IKB-Großaktionärin KfW hatte in der vergangenen Woche angekündigt, ihre Mehrheitsanteile von über 90 Prozent an den amerikanischen Finanzinvestor Lone Star zu verkaufen. Medienberichten zufolge zahlt Lone Star dafür etwas über 100 Millionen Euro und damit nur einen Bruchteil des vom Bund angepeilten Kaufpreises von 800 Millionen Euro. KfW, Bund und Banken mussten das vor einem Jahr in den Sog der US-Immobilenkrise geratene Geldinstitut mit zusammen knapp 10 Milliarden Euro vor der Pleite bewahren.
Strategie von Lone Star noch unklar
Erwartet wird, dass der für sein hartes Durchgreifen bekannte Finanzinvestor Lone Star versucht, das Institut nach dem Vorbild der Sanierung der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden, heute Corealcredit, gesundzuschrumpfen. «Wir können nur hoffen, dass Lone Star hier nicht den großen Kehraus macht», sagte Schmitz vor rund 650 Aktionären. Noch sei die genaue Strategie des neuen Eigentümers unklar. Angekündigt hat Lone Star bislang nur, die IKB noch stärker als bisher auf ihr Mittelstandsgeschäft auszurichten.
Private Kleinanleger erklärten, es sei zu befürchten, dass sie zu unfairen Bedingungen aus der IKB herausgedrängt würden. Nach dem Verkauf, der noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des KfW-Verwaltungsrats und der EU-Kommission steht, befinden sich noch gut acht Prozent der Aktien im Streubesitz.
Steuerzahler trägt Hauptlast
Auf Unmut stieß bei den Aktionären auch der «Ramschpreis», den Lone Star für die KfW-Anteile gezahlt habe. Es seien nun die Steuerzahler, die den Großteil der Lasten der IKB-Rettung tragen müssten, erklärten die Anleger. Wegen ihres Engagements bei der IKB war die bundeseigene KfW im vergangenen Jahr selbst in tiefrote Zahlen gerutscht. Die FDP arbeitet an der Vorbereitung eines Bundestags-Untersuchungsausschusses, um die Finanzkrise rund um die Mittelstandsbank aufzuklären.
IKB-Chef Bräunig erklärte, das Kapitel «Krisenjahr» nun endlich abschließen zu wollen. Mit dem Verkauf an Lone Star sei eine lange Phase der Unsicherheit für die IKB-Mitarbeiter und Kunden beendet worden. Nun gehe es darum, nach vorne zu schauen. «Mit Lone Star gewinnen wir einen finanzstarken Partner, der die Ausrichtung der IKB als führende Mittelstandsbank Deutschlands in vollem Umfang unterstützten will», sagte Bräunig
