Konjunktureintrübung und schwacher Dollar haben den ehrgeizigen Wachstumsplänen von Europas größtem Medienkonzern Bertelsmann einen Dämpfer verpasst. Konzernchef Hartmut Ostrowski sagte am Donnerstag in Gütersloh, vor allem im Juni und Juli hätten die konjunkturellen Schwierigkeiten in Westeuropa und Nordamerika zu einer spürbaren Abschwächung des Geschäfts geführt. Bertelsmann senkte seine Prognose für das Gesamtjahr.
Im ersten Halbjahr sanken dadurch die Umsätze des Medienriesen um 1,2 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sowie Sondereinflüssen verringerte sich sogar um fast acht Prozent auf 681 Millionen Euro. Der Konzerngewinn lag mit 372 Millionen Euro zwar deutlich über dem Vorjahreswert von 51 Millionen Euro. Allerdings hatten im Vorjahr der teure Vergleich im US-Verfahren um die umstrittene Musiktauschbörse Napster und Wertberichtigungen bei der britischen TV-Tochter Five zu einem Gewinneinbruch geführt.
Ergebnisprognose 2008 nach unten korrigiert
Auch für das Gesamtjahr musste der Konzern seine Ergebnisprognose nach unten korrigieren. Hatte Bertelsmann noch im Mai angekündigt, das operative Ergebnis werde zum Jahresende auf oder sogar leicht über dem Niveau von 2007 zu liegen, so erwartet Finanzvorstand Thomas Rabe nun ein Ergebnis «leicht unter Vorjahr». Der Umsatz werde dagegen auf vergleichbarer Basis über dem Vorjahresergebnis liegen.
Dennoch bekräftigte Konzernchef Ostrowski sein Pläne, das Gütersloher Familienunternehmen bis 2015 auf deutlich mehr Wachstum zu trimmen. Der Verkauf der Beteiligung am weltweit zweitgrößten Musikkonzern Sony BMG und die Trennung von großen Teilen des Buchklub-Geschäfts in der ersten Jahreshälfte ermöglichten es dem Konzern nun, sich auf Wachstumsfelder zu konzentrieren. Bertelsmann könne nun auch wieder Akquisitionen ins Auge fassen.
Große Arbeiten am Portfolio abgeschlossen
Spekulationen über die Trennung von weiteren Unternehmensbereichen - etwa der Zeitschriftensparte Gruner + Jahr - erteilte der Bertelsmann-Chef eine klare Absage. «Die großen Arbeiten am Portfolio sind abgeschlossen», meinte er. Allerdings schloss er nicht aus, dass Bertelsmann seine 90-prozentige Beteiligung an Europas größter Fernsehgruppe RTL reduzieren könnte, wenn dies zur Finanzierung einer attraktiven Akquisition notwendig sei. Bertelsmann werde jedoch auf jeden Fall eine qualifizierte Mehrheit an dem Sender in der Größenordnung von 75 Prozent behalten.
Die Fernsehtochter lieferte auch im ersten Halbjahr 2008 wieder den Löwenanteil des Gewinns und baute vor allem in Deutschland ihre Marktposition weiter aus. Die übrigen Konzernsparten - die Verlagsgruppe Random House, Gruner + Jahr, die Dienstleistungstochter Arvato und das Buchklub-Geschäft - erwirtschafteten zusammen nicht einmal die Hälfte der RTL-Erlöse.
