Aktionärsschützer haben den Verkauf der schwer angeschlagenen Mittelstandsbank IKB an den amerikanischen Finanzinvestor Lone Star kritisiert. Es sei fraglich, ob gerade eine «Heuschrecke» das einst renommierte Geldinstitut wieder für den Mittelstand salonfähig machen könne, sagte Hans-Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz am Donnerstag auf der Hauptversammlung der IKB in Düsseldorf. Private Kleinanleger fürchten zudem, zu unfairen Bedingungen aus der IKB herausgedrängt zu werden.
Die staatliche Förderbank KfW hatte in der vergangenen Woche angekündigt, ihre Mehrheitsanteile von über 90 Prozent an den amerikanischen Finanzinvestor Lone Star zu verkaufen. Medienberichten zufolge zahlt Lone Star dafür etwas über 100 Millionen Euro. Angestrebt hatte der Bund einen Kaufpreis von 800 Millionen Euro.
Erwartet wird, dass der für sein hartes Durchgreifen bekannte Finanzinvestor versucht, das Institut nach dem Vorbild der Sanierung der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden, heute Corealcredit, gesundzuschrumpfen. «Wir können nur hoffen, dass Lone Star hier nicht den großen Kehraus macht», sagte Schmitz vor rund 650 Aktionären. Noch sei die genaue Strategie des neuen Eigentümers unklar. Angekündigt hatte Lone Star bislang nur, die IKB noch stärker als bisher auf ihr Mittelstandsgeschäft auszurichten.
Beklagt wurde von den Aktionären auch der Verkauf der Bank zu einem «Ramschpreis». Es seien nun die Steuerzahler, die den Großteil der Lasten tragen müssten, erklärten Anleger. Norbert Vowinckel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger sieht die Gründe für den Absturz der einst grundsoliden Mittelstandsbank vor allem in der Politik. «Wäre die IKB eine rein private Bank gewesen, hätte sie besser haushalten müssen und hätte dann wohl auch besser aufgepasst.»
IKB-Chef will Kapitel «Krisenjahr» abschließen
IKB-Chef Günther Bräunig erklärte, das Kapitel «Krisenjahr» nun endlich abschließen zu wollen. Mit dem Verkauf an Lone Star sei eine lange Phase der Unsicherheit für die IKB-Mitarbeiter und Kunden beendet worden. Nun gehe es darum, nach vorne zu schauen. «Mit Lone Star gewinnen wir einen finanzstarken Partner, der die Ausrichtung der IKB als führende Mittelstandsbank Deutschlands in vollem Umfang unterstützten will.»
Die IKB war im Juli 2007 als erste deutsche Bank in den Sog der US-Immobilenkrise geraten. Sie hatte sich mit Ramschhypotheken massiv verspekuliert und konnte seitdem nur mit mehreren milliardenschweren Rettungspaketen von KfW, Bund und Banken vor der Pleite bewahrt werden. Bund und Kfw haben bislang 8,5 Milliarden Euro für die angeschlagene Mittelstandsbank bereitgestellt, einschließlich des Rettungsbeitrages privater Institute sind es knapp 10 Milliarden Euro. Wegen ihres Engagements war die KfW im vergangenen Jahr selbst in tiefrote Zahlen gerutscht. Die FDP arbeitet weiter an der Vorbereitung eines Bundestags-Untersuchungsausschusses, um die Finanzkrise rund um die IKB aufzuklären.
