IOC-Vizepräsident Thomas Bach hat die Wahl Chinas als Gastgeberland der Olympischen Spiele verteidigt. «Es war keine makabre Idee, die Olympischen Spiele nach Peking zu vergeben», sagte er dem Magazin «Stern» laut Vorabmeldung. Angesichts von Berichten über Menschenrechtsverletzungen in China erklärte Bach, die Entscheidung sei das Ergebnis einer demokratischen Abstimmung und ein «Zeichen der Hoffnung» gewesen. «Soll der Sport denn kapitulieren, weil die Welt nicht so ist, wie wir sie uns wünschen?» fragte der 54-Jährige.
Die Olympischen Spiele seien geeignet, um die Lage in China zu verbessern, sagte Bach. «Dass nun die chinesische Regierung so außergewöhnlich offen über die Erdbebenkatastrophe berichten ließ - das geschah auch wegen Olympia», erklärte er. Der Sport habe aber nicht die Möglichkeit, in der kurzen Zeit der Olympischen Spiele das zu lösen, woran Generationen von Politikern und UN-Generalsekretäre gescheitert seien. «Das IOC ist keine Weltregierung, die das Böse per ordre de mufti so einfach vertreiben kann.»
Fackellauf laut Bach zum Staatssymbol entwickelt
Zum Fackellauf, der in vielen Ländern nur unter Polizeischutz stattfinden konnte, sagte Bach, das IOC müsse den Verlauf des Ereignisses sehr selbstkritisch überdenken. «Der Fackellauf hat sich leider mehr zu einem Symbol des Gastgeberlandes entwickelt, zu einem staatlichen Hoheitssymbol», sagte der IOC-Vizepräsident. Er sei jedoch ein olympisches Symbol für den friedlichen Wettstreit.
Zur Meinungsfreiheit der Athleten während der Olympischen Spiele sagte Bach: «Sportler sind mündige Bürger, sie können sich frei äußern in ihren Interviews, auch in den Pressekonferenzen.» Den Olympiateilnehmern sei es jedoch gemäß IOC-Charta nicht gestattet, mit Protest-Armbändchen ins Stadion einzulaufen. Auch Diskussionsrunden im Olympischen Dorf zu kritischen Fragen wie der Todesstrafe in China gelten demnach als unerlaubte politische Demonstration.
«Wir müssen von dieser Rekordsucht wegkommen»
Angesichts der Dopingskandale bei den Olympischen Winterspiele in Turin 2006 forderte Bach Mäßigung beim Streben nach Superlativen: «Wir müssen von dieser Rekordsucht wegkommen», betonte er. «Was da bei den österreichischen Athleten geschah, wie die lebten - mit Spritzen, Blutbeuteln, Messgeräten und allen. Ekelhaft. Entwürdigend.» Er wolle einen Sport, in dem sich der saubere Athlet wohlfühle, sagte Bach.
