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27. August 2008
Katastrophe von Ramstein: «So etwas geht nie weg»


Ramstein - Die Katastrophe ereignete sich um 15.44 Uhr. Drei Maschinen der italienischen Kunstflugstaffel Frecce Tricolori stießen am 28. August 1988 beim Flugtag auf der US-Luftwaffenbasis Ramstein in der Pfalz in der Luft zusammen. Eine der abstürzenden Maschinen schlug anschließend in unmittelbarer Nähe zu den Zuschauern auf. Die Folgen des Unglücks, bei dem 70 Menschen getötet und Hunderte verletzt wurden, beschäftigen Betroffene und Behörden bis heute.

«Auch dieser Jahrestag wird für die Betroffenen wieder ein schwerer Tag», sagt Sybille Jatzko, die seit 20 Jahren Ramstein-Opfer betreut. Viele Opfer durchlebten die eigenen Verletzungen, den Verlust naher Angehöriger, die Bilder von verbrannten Menschen immer wieder aufs Neue. «So etwas geht nie weg», sagt die Therapeutin. «Die Menschen lernen nur, damit umzugehen.»

Schätzungsweise 350.000 Menschen halten sich auf der Air Base auf, als einem der italienischen Piloten bei der Flugfigur «Das durchstoßene Herz» ein Fehler unterläuft und die Katastrophe in Gang setzt. Trümmerteile und brennendes Kerosin rasen in die Zuschauermenge. Mehrere Dutzend Menschen sind sofort tot. Die rund 450 Schwerverletzten erleiden teils schwerste Verbrennungen.

Roland Fuchs aus dem baden-württembergischen Waibstadt ist mit seiner Frau Carmen und Tochter Nadine bereits auf dem Weg zum Auto, als die brennende Maschine abstürzt. Während Carmen Fuchs durch ein Trümmerstück am Kopf getroffen und getötet wird, stehen Vater und Tochter Bruchteile von Sekunden später in Flammen. Brennendes Kerosin lässt Haare und Kleidung sofort Feuer fangen. Der gelernte Schreiner erleidet schwerste Hautverletzungen und überlebt die Katastrophe nur knapp. Seine fünfjährige Tochter stirbt am 9. September in einer Ludwigshafener Klinik.

Rettungskräfte hoffnungslos überfordert

Ärzte und Sanitäter sind mit der ungeheuren Zahl der Verletzten völlig überfordert. Die Opfer werden teils in Bussen und auf Pritschenwagen in die umliegenden Krankenhäuser gebracht. Ein Bus mit einem ortsunkundigen Fahrer irrt auf der Suche nach einer Klinik noch Stunden später durch Ludwigshafen. Zudem hapert es an der Kommunikation zwischen den US-Streitkräften und deutschen Stellen. «Persönlich kann ich sagen, dass zu keinem Zeitpunkt irgendeine Koordination vorhanden war», bilanziert einer der eingesetzten Notärzte später vor dem Innenausschuss des Mainzer Landtags.

Um die Vielzahl der Opfer zu entschädigen, wurde nach der Katastrophe ein Sonderfonds gebildet, in den neben Deutschland auch Italien und die USA einzahlten. Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Innenministeriums wurden bis Ende Juni dieses Jahres 1.533 Anträge auf Entschädigung abgearbeitet. Bislang flossen 21,1 Millionen Euro an die Opfer.

Allerdings kam von dieser Summe bei den Betroffenen nur wenig an. Wie Jatzko in den vergangenen Jahren immer wieder kritisierte, floss der Großteil des Geldes an Kranken- und Rentenversicherungen, um so die Kosten für Akutversorgung und Rehabilitationsmaßnahmen zu finanzieren. Klagen auf ein gesondertes Schmerzensgeld, das den Opfern direkt zugute gekommen wäre, wurden 2003 vom Landgericht Koblenz wegen Verjährung abgewiesen.

«Es ging uns um eine Geste, um einen bescheidenen Ausgleich für die seelische Belastung», erklärt der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum, der die Opfer als Anwalt vor Gericht vertrat. «Doch diese Geste ist nie gemacht worden.» Wie viele Menschen unter den Spätfolgen der Flugtagkatastrophe leiden, weiß niemand. Sybille Jatzko, die mit ihrem Mann Hartmut unmittelbar nach dem Unglück eine Nachsorgegruppe gründete, schätzt die Zahl der nachhaltig traumatisierten Menschen auf bis zu 800.

Auch Helfer leiden bis heute

Es sind nicht allein die am 28. August 1988 verletzten Menschen, die zum Opfer der Flugtagkatastrophe wurden. Erst Jahre später wurde deutlich, dass auch Feuerwehrleute und freiwillige Helfer traumatisiert wurden, die am Tag des Unglücks schwerstverletzte und tote Zuschauer bargen. Die psychologische Betreuung von Katastrophenhelfern steckte vor 20 Jahren in Deutschland noch in den Kinderschuhen.

Am Donnerstag der kommenden Woche werden die Ramstein-Opfer erneut zusammenkommen, um der Toten des 28. August zu gedenken. Für den Vormittag ist eine Gedenkminute im Mainzer Landtag vorgesehen. Am Nachmittag soll es Kranzniederlegungen und Gedenkfeiern in der Nähe der Absturzstelle geben. Auch zu einem internen Treffen wollen Opfer und Hinterbliebene zusammenkommen, wie Jatzko berichtet: «Man muss sich das vorstellen, dass das eine Schicksalsgemeinschaft ist.»








 
 



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