Die mysteriösen Skelettfunde von Kassel gehen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Typhusepidemie in napoleonischer Zeit zurück. Wie die Staatsanwaltschaft Kassel am Dienstag berichtete, hat dies die Datierung eines der rund 60 gefundenen Skelette mit Hilfe der Radiocarbonmethode ergeben. Nach den historischen Ermittlungen soll sich in der Nähe des Auffindeortes um das Jahr 1800 ein Militärlazarett und daneben eine Kaserne befunden haben.
Wie Oberstaatsanwalt Manfred Jung berichtete, brach im Jahr 1814 eine schwere Typhusepidemie aus, in deren Folge das Militärlazarett zu klein wurde und man auch die angrenzende Kaserne als Lazarett verwendete. Infolge dieser Epidemie sollen viele Tote angefallen sein, die man innerhalb kurzer Zeit bestatten musste.
Die Skelette waren im Januar bei Bauarbeiten auf dem Gelände der Uni Kassel ans Licht gekommen. Zunächst war vermutet worden, es könne sich um die sterblichen Überreste von Zwangsarbeitern aus dem Zweiten Weltkrieg handeln. Schon in einem ersten Gutachten Ende Januar hatten Wissenschaftler allerdings erklärt, dass die Skelette am Fundort deutlich länger gelegen haben müssen. Gänzlich fehlende Spuren erforderlicher Zahnbehandlungen untermauerten diese These. An den zumeist männlichen Knochenskeletten fanden sich außerdem keine Spuren von äußerer Gewalteinwirkung.
