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27. August 2008
(Update) - Rekordüberschuss im Staatshaushalt löst neue Steuerdebatte aus


Wiesbaden - Ein Rekordüberschuss im Staatshaushalt hat die Dauerdebatte über Steuersenkungen neu angefacht. Im ersten Halbjahr verbuchten Bund, Länder und Gemeinden ein Plus von 6,7 Milliarden Euro, das größte seit der Wiedervereinigung. CSU und FDP erneuerten daraufhin am Dienstag ihren Ruf nach deutlichen Steuersenkungen, was die SPD aber ablehnte. «Wir dürfen nicht tollkühn werden», sagte der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, der AP In Berlin.

Erst wenn der Bund im Jahr 2011 keine neuen Schulden mehr mache, seien Entlastungen möglich, sagte Schneider. Er verwies auf die sich eintrübende Konjunktur und sagte, in den kommenden Jahren seien anders als zuletzt keine deutlichen Sprünge bei den Steuereinnahmen mehr zu erwarten.

Auch der CDU-Haushaltsexperte Steffen Kampeter sagte, es seien weiter erhebliche Anstrengungen notwendig. «Eine Rückkehr zur Politik des Geschenkeverteilens wäre auch bei einer finanziell besseren Situation eine Kampfansage an zukünftige Generationen.»

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts übertraf der Überschuss von Januar bis Juli 2008 die 4,2 Milliarden in den ersten sechs Monaten des Trendwendejahres 2007 deutlich. Allerdings geht der Einnahmezuwachs schon wieder zurück, und auch die Ausgaben steigen inzwischen deutlich.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) meinte aber, die rascher als erwartet vorankommende Gesundung der öffentlichen Finanzen öffne zunehmend Spielräume. Der CSU-Vorsitzende Erwin Huber sagte der «Passauer Neuen Presse»: «Wir müssen diese Schere wieder schließen und die Steuern kräftig senken, wenn wir die Konjunktur nicht abwürgen wollen.»

Der FDP-Finanzpolitiker Hermann Otto Solms kritisierte, dass der Bundeshaushalt trotz des positiven Saldos weiter defizitär sei, und bekräftigte seinerseits die Forderung nach niedrigeren Abgaben.

Nach langen Jahren hoher Defizite in den Haushalten von Bund, Ländern und Gemeinden hatten die Einnahmen im vergangenen Jahr erstmals wieder die Ausgaben übertroffen. Dieser Trend hat sich auch 2008 fortgesetzt, doch war der Zuwachs der Staatseinnahmen nur noch knapp halb so hoch wie im Vorjahr: Sie stiegen jetzt um 3,0 Prozent gegenüber 5,8 Prozent in den ersten sechs Monaten 2007.

Gleichwohl waren die Kassen so gut gefüllt, dass sich Bund, Länder und Kommunen erstmals seit langer Zeit wieder deutlich höhere Ausgaben leisten konnten: Sie stiegen um 2,5 Prozent gegenüber einem Zuwachs von nur 0,5 Prozent im ersten Halbjahr 2007.

Positive Maastricht-Quote

Gemessen am Bruttoinlandsprodukt errechnet sich aus dem positiven Finanzierungssaldo eine Quote von plus 0,5 Prozent für das erste Halbjahr 2008. Die für das Maastricht-Kriterium der Staatsverschuldung ausschlaggebende Zahl hatte von 1991 bis 2006 fast ausnahmslos im Minus gelegen, so dass Deutschland von der EU mehrfach abgemahnt wurde.

Lediglich im Jahr 2000 hatten die Staatseinnahmen wegen des Verkaufs der UMTS-Lizenzen mit Milliardenerlösen einmal im Plus gelegen. Doch auch im damaligen zweiten Halbjahr war der Überschuss mit 3,1 Milliarden deutlich geringer als die jetzt errechneten 6,7 Milliarden Euro.

Zu dem guten Ergebnis trugen vor allem kräftig sprudelnde Steuereinnahmen mit einem Zuwachs von 3,7 Prozent bei, womit sich nach dem starken Anstieg im Jahr 2007 die Entwicklung allerdings deutlich verlangsamte. Während die Einkommen- und Vermögensteuern um 6,7 Prozent stiegen, fiel der Zuwachs bei den Produktions- und Importabgaben mit 1,1 Prozent eher bescheiden aus. Im ersten Halbjahr 2007 hatte es nach der Mehrwertsteuererhöhung in beiden Kategorien noch jeweils einen Zuwachs von 10,5 Prozent gegeben.








 
 



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