Die Fusion des TÜV Süd mit dem TÜV Rheinland ist vorerst gescheitert. Die beiden Prüfkonzerne zogen ihren Antrag beim Bundeskartellamt am Dienstag zurück, weil die Wettbewerbshüter eine marktbeherrschende Stellung im Industriegeschäft befürchtet hatten. Beide Unternehmen strebten aber weiterhin einen Zusammenschluss an und suchten jetzt in Ruhe nach einem Ausweg, erklärten die TÜV-Sprecher in München und Düsseldorf.
Mit dem Zusammenschluss wäre der zweitgrößten Prüfkonzern der Welt nach die Schweizer SGS entstanden. Ziel sei internationales Wachstum, erklärten die beiden TÜV-Gesellschaften. Die Fusion sei «unverändert das richtige Ziel, um außerhalb Deutschlands das vorhandene Potenzial in den Märkten Prüfen, Testen und Zertifizieren gegen starken internationalen Wettbewerb auszuschöpfen und Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen».
Das Bundeskartellamt befürchtete allerdings bei der Prüfung von Aufzügen und anderen technischen Anlagen in Deutschland eine Dominanz des neuen TÜV-Riesen mit 25.000 Mitarbeitern und 2,2 Milliarden Euro Umsatz und forderte die Abgabe von Teilgeschäften. Weil keine Einigung zu erzielen war, wollen die beiden TÜV-Konzerne neu überlegen, wie die kartellrechtlichen Anforderungen erfüllt werden können.
Vor einem Jahr war bereits der geplante Zusammenschluss von TÜV Süd und TÜV Nord wegen Differenzen über die künftige Führung und zu hoher Auflagen geplatzt.
Konkurrenten wie SGS oder das französische Bureau Veritas engagieren sich in international wachstumsstarken Teilsegmenten wie Produkt-Zertifizierung oder Management-Zertifizierung. Die großen deutschen TÜV-Gesellschaften wollen auf diesen Wachstumsmärkten dabei zu sein.
