Frankfurt - Die UEFA zeigt sich immer wieder unnachsichtig - zum Beispiel bei der Sperre von Bundestrainer Joachim Löw oder der Einhaltung von Zeitvorgaben bei Pressekonferenzen. Nun aber müssen sich die gestrengen Funktionäre einen Riesenfehler vorwerfen lassen. Nach den drei Stromausfällen bei der Live-Übertragung des EM-Halbfinales Deutschland-Türkei sprangen die Diesel-Generatoren als Notstromaggregat nicht an.
«Die UEFA hatte das technische Netz als unterbrechungsfrei mit Back Up durch Diesel-Generatoren zugesichert», erklärte die ARD am Donnerstag. Dass es trotzdem zu Pannen kam, hat man noch nie erlebt, wie der Technische Leiter Helmut Kormann vom Bayerischen Rundfunk sagte. Bei Stromunternehmen hieß es, eine Dieselversorgung sei träge, deshalb sollte man diese nie direkt als Notstromaggregat anschließen.
Alexandre Fourtoy, der Chef der UEFA Media Technology, erklärte nach einem Bericht der österreichischen Nachrichtenagentur APA: «Es war ein rein technisches Problem. Die Ausfälle reichten aus, um das System neu starten zu müssen. Das dauerte dreimal sechs Minuten.» Die UEFA habe den bestmöglichen Stromversorger gewählt, der auch für die WM 2006 in Deutschland verantwortlich gewesen sei. Im TV-Bereich handele es sich um das Unternehmen Host Broadcast Services (HBS), das auch mit der FIFA zusammenarbeitet.
Für die letzten EM-Übertragungen am Donnerstag und Sonntag kündigte Fourtoy besondere Sicherheitsmaßnahmen an. Ein nun parallel laufender Diesel-Generator soll verhindern, dass bei Stromausfällen das gesamte Sicherheitssystem neu gestartet werden muss.
Schwarze Bildschirme
Am Mittwochabend war in der Übertragungsminute 57:15 plötzlich nur noch ein Bild mit der Störungsmeldung auf den Fernsehern zu sehen. Die Techniker des ZDF sahen auf der Monitorwand mit den Fernsehbildern aller europäischen Sender fast nur noch schwarze Bildschirme. Nur die Bilder des Schweizer Fernsehens (SF) liefen noch. ZDF-Sprecher Walter Kehr sagte, die erste Störung von sechs Minuten und zehn Sekunden habe man ausgehalten. Nach dem zweiten Ausfall hätten die Techniker «sofort an einer Havarie-Lösung gebastelt». Sie hätten ihre guten Beziehungen zum Schweizer Fernsehen genutzt, um dessen eigenes Übertragungssignal aus der Glasfaser-Direktverbindung zum Baseler Stadion zu übernehmen. «Wir wollten das nicht als Piratenakt tun», sagte Kehr.
So kam es, dass nur drei Sender - das SF, das ZDF und Al Dschasira - die Tore zum 2:1 und 2:2 live übertrugen. «Das ist das Groteske: Alle anderen haben nur das letzte Tor von Phillip Lahm gesehen», erklärte der ZDF-Sprecher.
Lob für Réthy
ZDF-Kommentator Béla Réthy berichtete während der Unterbrechungen wie ein Radioreporter über das Spiel, und zwar per Telefonleitung direkt aus dem Stadion und ohne die gesendeten Bilder sehen zu können. Damit war er schneller als die TV-Bilder und feierte schon den Führungstreffer von Miroslaw Klose, als die Fernsehzuschauer diesen noch gar nicht gesehen hatten.
Das ZDF lobte Réthy. Es sei eine reife Leistung, meinte sein Chef Dieter Gruschwitz. ZDF-Sprecher Kehr sprach respektvoll von einem «Husarenstück» und fügte hinzu: «Da sind wir auch ein bisschen stolz.» Réthy selbst sagte im Rundfunk Berlin-Brandenburg, die Zeit, um nervös zu werden, habe er gar nicht gehabt. Man habe ihn im Baseler Stadion über Kopfhörer informiert, dass es Stromausfall und weltweit keine Bilder gebe. Er solle schildern, was gerade auf dem Platz passiere: «Da passierte leider gar nichts. Da kullerte der Ball ins Aus, und die schoben sich die Bälle zu im Mittelfeld.»
Die Pannen werden auf jeden Fall ein Nachspiel haben. Das ZDF prüft Ansprüche an die UEFA. Der Europäische Fußballverband stand bereits in der Kritik, weil sie als Veranstalter zugleich auch erstmals als Produzent der Fernsehbilder fungiert. Die Live-Aufnahmen aus den Stadien werden zum internationalen Fernsehzentrum in Wien geleitet und von dort an die vertraglich angeschlossenen Sender in aller Welt.