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27. Juni 2008
(Update) - Eltern von verhungertem Säugling schweigen vor Gericht


Frankfurt - Vier Monate nach dem Hungertod eines Säuglings in Frankfurt (Oder) müssen sich die Eltern seit Donnerstag vor dem Landgericht der Stadt verantworten. Die 20-jährige Mutter und der 21-jährige Vater sollen ihren im August 2007 geborenen Sohn Florian über Monate aus Faulheit kaum Essen und Trinken gegeben haben, wie es in der Anklage hieß. Am 13. Februar 2008 starb der völlig abgemagerte Junge. Der Vater alarmierte den Notarzt erst, als er das Kind leblos im Bett fand.

Die in Untersuchungshaft sitzenden Angeklagten verweigerten vor Gericht die Aussage. Allerdings kündigte die Mutter über ihren Anwalt für kommende Woche eine Erklärung an. Der Anklage zufolge soll das Paar die Mahlzeiten für den Jungen immer weiter verzögert haben und sich stattdessen auf Partys oder mit Computerspielen vergnügt haben. In den sechs Monaten seines Lebens seien die Eltern nie mit dem Kind beim Arzt gewesen. «Herzlos und ohne Mitgefühl überließen sie Florian seinen Schmerzen und Qualen», sagte der Staatsanwalt. Zu seinem Tod habe der Junge weniger als zur Geburt gewogen.

Weiterer Prozess in Cottbus

Unterdessen forderte die Staatsanwaltschaft in einem Prozess um die Tötung eines Neugeborenen vor dem Landgericht Cottbus fünf Jahre Haft wegen Totschlags für die Mutter. Die 23-Jährige hatte gestanden, ebenfalls am 13. Februar 2008 in Lübben im Spreewald ein Mädchen geboren und kurz darauf in der Badewanne ertränkt zu haben.

Ein psychiatrischer Gutachter bescheinigte der Angeklagten verminderte Schuldfähigkeit, weil sie wegen einer Bewusstseinsstörung im Affekt gehandelt habe. «Sie war verzweifelt und fühlte sich der Rolle als Mutter nicht gewachsen», erklärte er. Ein Urteil soll am (morgigen) Freitag verkündet werden.

In den ersten Monaten dieses Jahres wurden in Brandenburg mehrere tote Babys gefunden, unter anderem auch in Nauen westlich von Berlin und bei Calau in der Lausitz. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit läuft derzeit ein Verfahren vor dem Landgericht Cottbus gegen eine 18-jährige Schülerin aus Schwarzheide, die ihr Baby erwürgt haben soll.

Wegen der zahlreichen Fälle entbrannte in der Landespolitik eine Diskussion über den besseren Schutz von Kindern. Landessozialministerin Dagmar Ziegler kündigte den Ausbau eines Netzwerks mit Beratungsstellen für überforderte junge Eltern an. Ministerpräsident Matthias Platzeck stellte ebenfalls mehr Hilfsangebote in Aussicht. Die Grünen fordern zudem weitere Babyklappen. Bisher gibt es in Brandenburg erst eine solche Einrichtung in Potsdam.








 
 



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