Baden-Württemberg verabschiedet sich von der klassischen Hauptschule. Künftig werden alle Kinder, die nicht das Gymnasium oder eine herkömmliche Realschule besuchen, bis zur neunten Klasse gemeinsam unterrichtet, wie der Sprecher des Kultusministeriums, Hansjörg Blessing, am Mittwoch in Stuttgart bestätigte. In der neuen Werkrealschule wird demnach aber weiter der Hautschulabschluss angeboten.
Die FDP-Fraktion hatte zuvor bekanntgemacht, dass einschneidende Strukturveränderungen im Schulsystem auf den Weg gebracht worden seien. Ihre bildungspolitische Sprecherin Birgit Arnold erläuterte vor Journalisten unter anderem, dass die Hauptschulempfehlung gänzlich gestrichen wird, der Hauptschulabschluss aber möglich bleibt. Kultusminister Helmut Rau (CDU) wollte eigentlich erst in der kommenden Woche über die umfassende Reform informieren.
Nach den Angaben aus dem Kultusministerium werden künftig alle zweizügigen Hauptschulen zu Werkrealschulen umgebaut, in denen die Kinder selbst in Hauptfächern gemeinsamen Unterricht bekommen und zum mittleren Bildungsabschluss geführt werden sollen. Parallel werde der Förderbedarf festgestellt und erfüllt, sagte Blessing. In Klasse 7 finde eine Kompetenzanalyse statt, um für jeden Schüler den weiteren Weg festzulegen. Dieser könne auch mit dem Hauptschulabschluss enden. Die Durchlässigkeit bleibe aber gewahrt, weil auch in späteren Klassen der Wechsel möglich sei.
Jahrelange Debatte über Schulsystem
Den Strukturveränderungen ging eine jahrelange Debatte über die Zukunft des dreigliedrigen Schulsystems in Baden-Württemberg voraus. Im kommenden Schuljahr startet an 25 Schulen und Schulverbünden ein Modellversuch, in dessen Rahmen Haupt- und Realschüler gemeinsam unterrichtet werden. Unklar ist noch, wann die Veränderungen auch in allen anderen Schulen greifen. Ministerpräsident Günther Oettinger hatte schon vor der Sommerpause vorgeschlagen, alle zweizügigen Hauptschulen im Südwesten zu Werkrealschulen umzubauen, was allerdings viele Schulschließungen im ländlichen Raum zur Folge hätte.
