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26. November 2008
Millionen-Initiative für das Deutsche Museum


München - Das erste Auto von Karl Benz, das erste U-Boot der deutschen Marine, der erste programmgesteuerte Computer: Das Deutsche Museum in München verfügt über einen einzigartigen Fundus von über 100.000 Zeugnissen der Technikgeschichte. Doch der Fortbestand des Hauses ist bedroht. «Wir sind etwas vernachlässigt», sagt Generaldirektor Wolfgang Heckl.

Weil Bund und Freistaat Bayern als Träger seit Jahren zu wenig investieren, erfüllt das Haus längst nicht mehr die aktuellen Brandschutzauflagen. Bei jedem Hochwasser wird es nass im Kellerdepot auf der Isarinsel. Zudem sind die Ausstellungen im Schnitt 19 Jahre alt; die Attraktivität sinkt. Rund 400 Millionen Euro werden für Sanierung, Um- und Neubauten gebraucht. Diese sollen durch eine private und öffentliche Mischfinanzierung aufgebracht werden.

Zehn Prozent davon, also 40 Millionen Euro, will der Gründerkreis der Initiative Zukunftssicherung Deutsches Museum beisteuern. Am Mittwoch stellte er sich auf einer Pressekonferenz in Berlin vor. «Die Investitionen sollen den Leuchtturm Deutsches Museum für die nächsten 100 Jahre sichern», sagt Heckl.

International können sich nur wenige Häuser in London, Paris oder Washington mit dem Deutschen Museum messen. Jedes Jahr kommen 1,4 Millionen Besucher, um sich über Wissenschaft und Technik hautnah zu informieren - mehr als in jedes andere Museum in Deutschland. Wer alle Ausstellungsräume auf der Münchner Museumsinsel ablaufen will, hat 18 Kilometer vor sich.

Mehr als «alte Kisten hinter Vitrinen»

Gerne zitiert Heckl den Gründer Oskar von Miller, der das Museum als «eine Mischung aus Volksbildungsstätte und Oktoberfest» beschrieb. Spaß sollen die Besucher haben, wenn sie die zum Teil riesigen Ausstellungsstücke bestaunen - vom Segelschiff bis zur Nachbildung eines Bergwerks. Es gibt aber auch allerhand Technik zum Anfassen und Ausprobieren.

Wer einmal in die Pedale getreten hat, um eine Glühlampe zum Leuchten zu bringen, hat nicht nur seine Muskeln trainiert, sondern auch ein Gefühl für Energie und Elektrizität bekommen. In einem gläsernen Labor können die Besucher Forschern bei der Arbeit zuschauen. Das Deutsche Museum sei «Ort des Dialogs» und wolle nicht bloß «alte Kisten hinter Vitrinen» zeigen, sagt Heckl.

Industrie als Mäzen

«Der Analphabetismus im Bereich der Naturwissenschaften ist groß», sagt Heckl. Das Deutsche Museum soll nicht zuletzt Kinder und Jugendliche für Technik und Ingenieurskunst begeistern. Der Bildungsauftrag hat einen handfesten wirtschaftlichen Hintergrund: «Unser Land, in dem etwa 50.000 Ingenieure fehlen, kann seine Stellung nur behaupten, wenn wir wieder mehr naturwissenschaftlich-technischen Nachwuchs haben», sagt Heckl. Das mag einer der Gründe sein, warum Bosch, Knorr-Bremse, Linde, MAN, Siemens und Thyssen in dem Förderkreis Millionen spenden.

Den Schatz von 80.000 Exponaten im Depot will Heckl öffentlich zugänglich machen. Auf dem Gelände der Flugwerft Schleißheim nördlich von München soll der Bestand von derzeit sieben Lagern zu einer Schausammlung zusammengeführt werden. Neben der größten naturwissenschaftlich-technischen Bibliothek der Republik könnte das Deutsche Museum damit eine weitere einzigartige Attraktion auch für Forscher bieten.

Die ersten Umbauten laufen bereits. Im kommenden Jahr soll ein Planungsbüro entscheiden, wie das zugesagte Geld investiert wird. Mindestens zehn Jahr wird es dauern, bis alle Bauarbeiten fertig sind. Danach wird das Deutsche Museum nicht nur ein U-Boot aus dem Kaiserreich, sondern auch wieder einen trockenen Keller haben.








 
 



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