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26. August 2008
«Das Kind muss lernen: Es gibt zwei Familien»


Frankfurt - Es ist keine einfache Entscheidung: Paare, die ein Kind adoptieren wollen, haben auf ihrem Weg viele Hürden zu nehmen. «Wer ein Kind adoptieren möchte, sollte sich vorher gut informieren», sagt Ines Kurek-Bender. Sie spricht aus Erfahrung, hat sie doch selbst drei Kinder adoptiert. Die Vorsitzende des hessischen Landesverbands der Pflege- und Adoptivfamilien (PFAD) kennt die gesetzlichen Bedingungen vor einer Adoption. Sie weiß aber auch, was Adoptiveltern oft falsch machen, wenn diese Hürden genommen sind und das Kind offiziell zur Familie gehört.

Zunächst einmal ist Adoption nicht gleich Adoption. Kinder können aus dem Ausland, im Inland, von fremden Eltern oder innerhalb der Verwandtschaft adoptiert werden. Die Annahme des Kindes kann offen erfolgen, die Adoptiveltern können den leiblichen Eltern also weiter Kontakt mit dem Kind ermöglichen. In der Regel sei die Adoption aber inkognito vorgesehen, sagt Kurek-Bender. Die neuen Eltern erfahren in diesem Fall möglichst viel über die Herkunft des Kindes, um besser mit ihrem neuen Schützling umgehen zu können. Die leiblichen Eltern wissen dann aber nicht einmal den neuen Wohnort.

Jugendamt und Gericht prüfen nach einem Jahr

Leiblicher Vater und leibliche Mutter müssen in der Regel vor einer Adoption einwilligen. Ist das Kind über 14 Jahre alt, muss es selbst ebenfalls der Adoption zustimmen. Die Adoption eines Minderjährigen ist nur zulässig, wenn sie dem Wohl des Kindes dient und zu erwarten ist, dass ein Eltern-Kind-Verhältnis entsteht. Beurteilen müssten dies die Jugendämter und Vormundschaftsgerichte meist etwa ein Jahr, nach dem der Antrag gestellt wurde, erklärt Kurek-Bender. Die Adoption ist erst dann vollzogen.

Noch bevor Paare oder auch Alleinstehende sich mit ihrem Interesse an einer Adoption ans Jugendamt wenden, sollten sie sich allerdings gut informieren, rät Kurek-Bender. Die PFAD-Landesverbände veranstalteten Treffen, in denen sich Adoptivfamilien über ihre Erfahrungen austauschten, und Vorbereitungskurse. «Das muss man einfach lernen», sagt Kurek-Bender über die Aufgabe als Adoptivmutter oder -vater.

Wer ein Kind aus dem Ausland adoptieren will, muss sich über besondere Probleme im Klaren sein. In Deutschland vermitteln von den Landesjugendämtern zugelassene Vereine über Partnerorganisationen vor Ort Adoptionen, wie Kurek-Bender berichtet. Dies dauere ein bis zwei Jahre, wodurch zusammen mit den nötigen Reisen 15.000 bis 30.000 Euro Kosten auf die Adoptiveltern zukämen. Auch seien die Unterschiede bei den Bestimmungen der Länder groß.

Adoptiveltern ausländischer Kinder sollten Kultur kennen

Zudem sollten Adoptiveltern die Sprache des Kindes können und ihm überhaupt eine Identifizierung mit seinem Herkunftsland ermöglichen. Das sei für das Selbstwertgefühl ernorm wichtig, weiß Kurek-Bender und fügt hinzu: «Die Kinder müssen ihr Herkunftsland lieben, dann lieben sie auch sich selbst.»

Grundsätzlich müssen Adoptiveltern damit rechnen, dass es für ihre Kinder immer zwei Familien geben wird. «Das Kind muss lernen: Es gibt zwei Familien», sagt sie. Adoptiveltern würden dem Kind zwar normalerweise irgendwann sagen, dass es angenommen ist, viel mehr aber oft nicht. Dann hätte das Kind Fragen, die es aber nicht stelle. Spätestens im Kindergarten wisse aber immer jemand, dass das Kind adoptiert ist. Und dann es seine Geschichte erzählen können, um auf Bemerkungen anderer Kinder zu reagieren. «Sonst merkt es nur, dass irgendetwas anders ist und fühlt ich als Außenseiter», warnt Kurek-Bender.

 








 
 



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