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26. August 2008
Die Leiden der jungen Georgia


Frankfurt - Pubertierende können für ihre Umgebung eine arge Heimsuchung darstellen. Und sich selbst gehen sie noch viel mehr auf die Nerven, wie die am 28. August anlaufende Komödie «Frontalknutschen» vorführt. Mit britischem Humor lotet Regisseurin Gurinder Chadha darin die Hochs und Tiefs eines hormonell herausgeforderten Mädchens aus. Der zuckersüße Spaß ist passgenau auf die Zielgruppe zugeschneidert und behandelt - von A wie Akne bis Z wie Zungenkuss - eine Reihe von filmisch bisher vernachlässigten und allgemein unterschätzten Problemen.

Schauplatz des Dramas ist das hübsche Strandbad Eastbourne im sonnigen Südosten Englands. Die 14-jährige Georgia wird nicht müde, im Verein mit ihren Freundinnen ihr bitteres Schicksal zu beklagen: die Nase zu groß, der Busen zu klein, ein vorzeigbarer Freund nicht in Sicht. Die Eltern sind megapeinlich und die kleine Schwester eine Plage und schuld daran, dass sich Georgia eine Augenbraue halb abrasiert. Richtig schlimm wird ihr Dasein aber, als sich Georgia in den coolen Neuankömmling Robbie verguckt, der ausgerechnet mit der Schul-Femme- fatale Lindsay geht.

Aber die blonde Zicke, wie die Viererbande bald spionierend herausfindet, kocht auch nur mit Wasser und stopft ihr Dekolleté mit einem Push-up-BH aus mal ganz davon abgesehen, dass sie Georgias Hass-Klamotte, einen String-Tanga trägt. Ja, es gibt Zeiten im Leben, in denen die Diskussion um das Tragen vulgärer Unterhosen existenzieller ist als Schulnoten (die hier absolut keine Rolle spielen) oder Väter, die beruflich nach Neuseeland befördert werden, - was Georgia zunächst mit Freude vernimmt, denn so kann Papa ihr nicht reinreden. Als Georgia jedoch mit ihren Strategien wiederholt gegen die Wand fährt und sich mit allen außer Katze Angus verkracht, merkt sie, dass es Zeit wird, in sich zu gehen.

Manchmal hilft nur noch die Katze

Bereits mit ihrer erfolgreichen Fußballkomödie «Kick it Like Beckham» (2002) bewies Regisseurin Chadha, dass sie weiß, was Mädchen wollen. Nebenbei entdeckte sie damals Keira Knightley, und mit Georgias liebreizender Busenfreundin Jas (Elinor Tomlinson) ebnet die Regisseurin einer weiteren Film-Elfe den Weg. Aber spannender als dieses anmutig-dürre Geschöpf ist ganz klar Frontfrau Georgia Groome als temperamentvolle Göre, die mal klug schwätzt wie eine Ratgebertante aus dem Frauenmagazin und sich mal wie ein Schreikind benimmt. Herrlich theatralisch und mit enormem Wortwitz trampelt die Egozentrikerin ihren Eltern auf den Nerven herum und durchleidet allerlei selbst angerichtete Peinlichkeiten.

Die Handlung basiert auf den beiden ersten Büchern der Romanreihe «Georgia Nicolson», in der eine junge Tagebuchschreiberin beredt vor sich hin lamentiert. Man würde nun gerne behaupten, dass die trotz ihres Titels jugendfreie Komödie stets den richtigen Ton trifft. Doch nicht nur die deutsche Synchronisation könnte dem schlagfertigen Teeniefilm - vorab lediglich im Original zu sehen - den Garaus machen. Auch das, zumindest in den Augen Erwachsener, grässlich verkitschte Happyend, in dem jeder noch so mickrige Topf seinen Deckel findet und sich alle Kümmernisse dank gütiger Drehbuchautoren in einem Aufwasch lösen, will so gar nicht zum augenzwinkernden Stil der Komödie passen.

Bis zum überzogenen Showdown aber werden beim gemeinsamen Pickelausdrücken, Gickeln und Giften mit lockerem Witz gewichtige Dinge behandelt wie etwa die Suche nach einer eigenen Identität. Herrlich burlesk sind Annäherungen an das andere Geschlecht, wenn die Mädels Stielaugen kriegen beim Anblick eines wohlgeformten männlichen Sixpacks oder sich die Dienste eines professionellen Küssers leisten, der mit Taxometer arbeitet. Auch Running Gags wie Georgias hochneurotischer Angorakater Angus, der unfreiwillig Kuppeldienste leistet, lassen vergleichbare hiesige Teenie-Komödien à la «Wilde Hühner» wie trocken Vollkornbrot wirken.








 
 



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