Sozialminister Erwin Sellering (SPD) wird aller Voraussicht nach neuer Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern. Ein Sonderparteitag der Sozialdemokraten in Güstrow nominierte den 58-Jährigen am Sonntag mit großer Mehrheit als Nachfolger von Amtsinhaber Harald Ringstorff, der im Oktober nach zehnjähriger Amtszeit abtritt. Für Sellering, der auch SPD-Landesvorsitzender ist, stimmten 74 der anwesenden 87 Delegierten.
Der 68-jährige Ringstorff hatte kürzlich aus Altersgründen den Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober zu seinem letzten Arbeitstag erklärt. Daraufhin hatte der SPD-Landesvorstand bereits Sellering als Nachfolger empfohlen. Nachdem ihn nun auch der Parteitag nominiert hat, könnte die Wahl Sellerings zum neuen Ministerpräsidenten der SPD/CDU-Regierungskoalition dem Vernehmen nach bereits am 6. Oktober im Schweriner Landtag erfolgen.
Nach den Ostdeutschen Alfred Gomolka, Berndt Seite (beide CDU) und Ringstorff (SPD) könnte damit erstmals ein westdeutscher Politiker das Regierungsruder in Mecklenburg-Vorpommern in die Hand nehmen. Sellering kommt aus Nordrhein-Westfalen.
Auf dem Sonderparteitag würdige der designierte Regierungschef die Leistungen Ringstorffs, der sich als «wahrer Landesvater für alle Mecklenburger und Vorpommern» erwiesen habe. Dank ihm sei das Land in den vergangenen zehn Jahren erfolgreich vorangekommen, betonte Sellering und rief seine Partei in der Zeit des Regierungswechsels zur Geschlossenheit auf.
Über die Vergabe der ebenfalls frei werdenden Ministerämter der SPD müsse in der nächsten Zeit gründlich beraten werden. Neben der Neubesetzung des bisher von Sellering geführten Sozialministeriums müssen auch Nachfolger für Finanzministerin Sigrid Keler und Bauminister Otto Ebnet gefunden werden, die beide im Zuge der Kabinettsumbildung ausscheiden wollen.
Für Angleichung der Ostrenten
Als eins seiner wichtigsten Anliegen hat der künftige Regierungschef, dessen Wahl im Landtag auch mit den Stimmen der CDU als sicher gilt, soziale Gerechtigkeit auf seine Fahnen geschrieben. In dem Zusammenhang plädierte er erneut für die Angleichung der Renten in Ost und West.
Zu diesem Thema hatte er bereits in der zurückliegenden Woche eine gemeinsame Bundesratsinitiative der ostdeutschen Länder angekündigt. 19 Jahre nach der Wiedervereinigung kann es nicht sein, dass wir immer noch zwei unterschiedliche Rentenvölker in Ost und West haben», betonte Sellering. Auch die Durchsetzung von Mindestlöhnen und kostenlose Kita-Plätze hält der SPD-Politiker im Interesse sozialer Ausgewogenheit für erforderlich.
