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26. August 2008
Sarkozy gedenkt NS-Massakers in Frankreich


Maillé - Mehr als sechs Jahrzehnte nach einem der schwersten NS-Massaker in Frankreich hat erstmals ein Staatspräsident der Opfer gedacht. Er werde die 124 ermordeten Bewohner von Maillé ins nationale Gedenken zurückholen, sagte Nicolas Sarkozy am Montag bei einem Besuch des kleinen Dorfes südlich von Tours. Am 25. August 1944 hatten Deutsche Truppen die Einwohner Maillès verfolgt und getötet und das Dorf anschließend in Schutt und Asche gelegt. Unter den Opfern waren 44 Kinder.

Die 28 noch heute lebenden Zeugen des Blutbades nahmen tief bewegt an der Veranstaltung teil. 64 Jahre mussten sie auf die offizielle Anerkennung warten. Der Tag des Massakers fiel mit der Befreiung von Paris zusammen, die jedes Jahr gefeiert wird. «Indem wir so lange gleichgültig gegenüber dem Leiden der Menschen waren, hat Frankreich einen moralischen Fehler begangen», sagte Sarkozy, der eine kleine Gedenkstätte einweihte. Die deutschen Truppen hätten in Maillé absichtlich ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen.

Die genauen Umstände sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Der Dortmunder Staatsanwalt Ulrich Maaß begann vor sechs Wochen vor Ort mit der Spurensuche. Der Hass auf Deutschland ist in der kleinen Gemeinde mit rund 600 Einwohnern noch groß. Maaß, nordrhein-westfälischer Chefankläger für NS-Verbrechen, hatte bei seiner Visite im Juli bei den Menschen für das Verbrechen um Entschuldigung gebeten.

Suche nach den Tätern wieder aufgenommen

«Ich bin gekommen, um eine Ungerechtigkeit zu beseitigen», sagte Sarkozy. Zwei Monate vor dem Blutbad von Maillé hatten deutsche Truppen in Oradour 642 Menschen umgebracht, was als schwerstes Kriegsverbrechen der Deutschen in Frankreich gilt.

Das Massaker in Maillé war eine Vergeltung für einen Anschlag der Résistance auf zwei deutsche Militärfahrzeuge in der Nacht zuvor. 60 bis 100 Soldaten sollen beteiligt gewesen sein. Nach dem Abzug wurde das 500-Einwohner-Dorf mit Granaten beschossen.

Die Bluttat geriet Jahrzehnte lang außerhalb von Maillé in Vergessenheit. Erst 1987 wurde sie wiederentdeckt, als die Vereinten Nationen Akten zu Kriegsverbrechen freigaben. Wer die Aktion leitete und welche Einheiten beteiligt waren, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Zeugenbefragungen und Recherchen französischer Medien und Historiker hatten die Ermittlungen 2004 wieder ins Rollen gebracht.








 
 



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