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25. November 2008
Parteiaustritte können die Karriere fördern


Berlin - In den vergangenen Jahrzehnten kam es immer wieder zu spektakulären Parteiaustritten. Prominente Abtrünnige suchten sich in der Regel sofort oder später eine neue politische Heimat. Die wohl bekanntesten Überläufer sind Gustav Heinemann, Günter Verheugen, Otto Schily und Oskar Lafontaine. Alle vier starteten eine zweite politische Karriere und waren durchaus erfolgreich: Lafontaine brachte es zum Parteichef, Schily zum Bundesminister, Verheugen zum EU-Kommissar und Heinemann sogar zum Bundespräsidenten.

GUSTAV HEINEMANN trat 1952 wegen der Pläne zur Wiederbewaffnung Deutschlands aus der CDU aus. Zwei Jahre zuvor war er aus denselben Motiven nach nicht einmal einjähriger Amtszeit als Innenminister der ersten Regierung von Bundeskanzler Konrad Adenauer zurückgetreten. Grund waren Geheimverhandlungen Adenauers über einen deutschen Wehrbeitrag in einer Europäischen Armee. Zudem hatte der Regierungschef dem US-amerikanischen Hochkommissar in einem «Sicherheitsmemorandum» die Bereitschaft zur Remilitarisierung signalisiert.

Nach seinem Austritt aus der CDU gründete Heinemann mit anderen Politikern zunächst die «Notgemeinschaft für den Frieden Europas», die später zur Gesamtdeutschen Volkspartei (GVP) wurde. Im Mai 1957 trat er zur SPD über und löste die GVP auf. Heinemann zog für die Sozialdemokraten in den Bundestag ein und gehörte von 1958 bis 1969 dem Bundesvorstand an. 1966 wurde er Justizminister der ersten Großen Koalition unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger und 1969 der erste Bundespräsident, der auf Vorschlag der SPD gewählt wurde.

GÜNTER VERHEUGEN war Bundesgeschäftsführer und Generalsekretär der FDP, bevor er 1982 wegen des Koalitionswechsels von der SPD zur CDU/CSU gemeinsam mit anderen Linksliberalen aus der Partei austrat und zu den Sozialdemokraten wechselte. Von 1983 bis 1999 saß er für die SPD als Experte für Außenpolitik im Bundestag. 1998 wurde er Staatsminister im Auswärtigen Amt unter dem Grünen-Minister Joschka Fischer. Seit 1999 ist Verheugen Mitglied der EU-Kommission.

OTTO SCHILY hat eine der wechselhaftesten Politiker-Karrieren der deutschen Nachkriegsgeschichte hinter sich. Als Star-Verteidiger der Linken trat er Ende der 60er Jahre erstmals ins Rampenlicht und bezeichnete sich damals selbst als «liberalen Kommunisten». 1980 trat er den Grünen bei und wurde drei Jahre später Mitglied des Bundestags. Nach einem knappen Jahrzehnt zog er die Konsequenzen aus der zunehmenden Entfremdung zwischen ihm und seiner Partei: Nachdem er 1989 mit seiner Kandidatur für den Fraktionsvorstand scheiterte, trat er bei den Grünen aus und bei den Sozialdemokraten ein. 1990 wurde Schily für die SPD in den Bundestag gewählt. Im Rentenalter von 66 Jahren wurde er 1998 als erster sozialdemokratischer Innenminister vereidigt. Bis zum Regierungswechsel 2005 blieb er auf dem Posten, heute ist er Alterspräsident des Bundestags.

Der Parteiaustritt OSKAR LAFONTAINES war der bisher spektakulärste. Der Saarländer kehrte der SPD den Rücken, nachdem er vier Jahre ihr Vorsitzender und 1990 ihr Kanzlerkandidat war. Nur viereinhalb Monate nach Vereidigung des Kabinetts von Gerhard Schröder trat Lafontaine 1999 zunächst als Finanzminister und Parteivorsitzender zurück und legte sein Bundestagsmandat nieder. Grund waren zahlreiche Konflikte mit Schröder in Sachfragen und eine generelle Entfremdung zwischen den beiden. Bis zum Austritt aus der SPD nach vier Jahrzehnten Mitgliedschaft dauerte es anschließend noch gut sechs Jahre. 2005 trat Lafontaine der Wahlalternative Soziale Gerechtigkeit (WASG) bei, die später mit der Linkspartei/PDS fusionierte. Am 15. Juni 2007 wurden er und Lothar Bisky zu den ersten Vorsitzenden der neuen Partei «Die Linke» gewählt.








 
 



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