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25. Juli 2008

Schicksalsort Flughafen



Stuttgart - Die meisten Urlauber am Flughafen freuen sich auf die Ferien. Doch einige Reisende erleben dort schwere Stunden, etwa wenn nach der Rückkehr mit einer Todesnachricht in der Familie konfrontiert werden. In Stuttgart kümmert sich Otto Rapp um diese Menschen, einer von zwei Seelsorgern am Flughafen.

«Meine Aufgabe ist es, die Menschen nicht alleine zu lassen», sagt der 58-Jährige. Vor kurzen musste er einem aus dem Urlaub kommenden Ehepaar mitteilen, dass ihr Sohn an plötzlichem Herzversagen gestorben sei. «Das sind Dinge im Leben, die absolut keinen Spaß machen», sagt der Seelsorger. Bisweilen geschieht auch auf Reisen ein Unglück, über das Daheimgebliebene informiert werden müssen.

Seit zehn Jahren ist der evangelische Diakon zwischen Checkpoint und Flugschneise tätig. Stuttgart war nach Frankfurt und München der dritte Flughafen in Deutschland, der eine Seelsorge für Reisende einrichtete. «Als Kirche hat man die Aufgabe, nicht nur in seinem Kämmerlein zu bleiben, sondern dort hinauszugehen, wo die Menschen sind», erklärt Holger Birth, Sprecher der Konferenz für evangelische Flughafenseelsorge.

Deshalb werden bislang auf zehn deutschen Flughäfen evangelische Seelsorger eingesetzt, meist in Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche, deren Seelsorger auf sieben Flughäfen tätig sind. «Flughafenseelsorge ist ökumenisch aufgebaut, und das ist gut so. Auf diesem Feld sind gemeinsames christliches Zeugnis und diakonisches Engagement der Kirchen glaubwürdig und stark», sagt der Bischof Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst.

Überlebende der Tsunami-Katastrophe betreut

Werktags zur Mittagszeit halten Rapp oder sein katholischer Kollege Peter Völkel eine kleine Andacht. Im Terminal 3, ganz am Ende der Ebene 2, befindet sich der kleine Andachtsraum, der 24 Stunden am Tag für jedermann offen ist. Dort liegen die Bibel und der Koran sowie Gebetsteppiche aus. Direkt daneben haben die beiden Diakone ihre Büroräume. In der tiefblauen Sofaecke seines Arbeitszimmers hat Rapp schon so manchem dabei geholfen, einen schweren Schicksalsschlag zu verarbeiten. Bei jährlich zehn Millionen Passagieren in Stuttgart kommen da einige zusammen.

Rapp erinnert sich an die Überlebenden der Tsunami-Katastrophe an Weihnachten 2004. Die standen damals in Stuttgart «mit den Sandalen im Schnee» und hatten intensive Betreuung nötig, um das Geschehene verkraften zu können.

Auch bei Abschiebung und Rückführung leisten die Seelsorger soziale Dienste. Dabei kommt es vor, dass sie Zielscheibe von Aggressionen werden.

«Präsenz ist das A und O»

Die Mitarbeiter des Flughafens nehmen ebenfalls seelsorgerliche Hilfe in Anspruch. Unter den 9.500 Angestellten hat immer einer etwas auf dem Herzen, seien es private Probleme oder Schwierigkeiten am Arbeitsplatz. Rapp sucht regelmäßig den Kontakt zu den Menschen. Jeden Tag dreht er seine Runden auf dem Flughafen. «Präsenz ist das A und O», sagt er. Außerdem mag er die internationale Atmosphäre. Bevor er am Flughafen anfing, war er 18 Jahre lang im Ausland seelsorgerlich für Seeleute zuständig. Seinen Job am Flughafen beschreibt er als «vielseitig und nie langweilig».






 

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