Jetzt ist sie völlig durchgedreht, raunten einige militante Raucher im Februar über Sabine Bätzing. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung hatte gerade vorgeschlagen, das Rauchen beim Autofahren zu verbieten. Vom Verkehrsministerium kam sofort ein lautes Njet. Und auch etliche Koalitionspolitiker ließen deutlich durchblicken, dass sie Bätzings Überlegung für abwegig hielten.
Der 32-jährigen SPD-Nachwuchspolitikerin, die seit dem Regierungswechsel 2005 das Amt der Drogenbeauftragten innehat, kann das aber einigermaßen egal sein. In den eineinhalb Jahren ihrer Amtszeit hat die Debatte über den Nichtraucherschutz eine Dimension erreicht, die selbst Gesundheitsapostel vor Jahren kaum für möglich hielten. Ab Freitag berät der Bundestag ein Gesetz, mit dem erstmals bundesweite Rauchverbote erlassen werden sollen. Ab September sollen Bahnhöfe, Flughäfen, Busse, Bahnen, Taxis sowie Gerichte und Behörden des Bundes, auch der Bundestag, rauchfrei werden.
Zwar kann sich Bätzing dies vielleicht nicht allein auf die Fahnen schreiben. Doch ist sie sicher Vorreiterin einer Idee, deren Zeit gekommen ist. Wagte sie kurz nach ihrer Berufung auf Vorschlag von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt im November 2005 das Wort Rauchverbot noch kaum in den Mund zu nehmen, legte sie im Lauf des folgenden Jahres mit immer forscheren Forderungen nach. Als die Länder zuletzt ihre Pläne zu Rauchverboten in der Gastronomie selbst mit Ausnahmeregelungen durchlöchern wollten, sparte Bätzing nicht mit Kritik.
Insgesamt hat die dynamische junge Frau aus dem Westerwald offenbar keine Scheu vor dem politischen Spiel mit der Öffentlichkeit. Dabei hat sie zugegebenermaßen wenig Erfahrung. 2002 wurde sie erstmals in den Bundestag gewählt und zwar als Direktkandidatin der SPD im rheinland-pfälzischen Wahlkreis Neuwied/Altenkirchen.
Zwar hatte die gelernte Diplom-Verwaltungswirtin, die ihr bisheriges Berufsleben bei der Gemeindeverwaltung Altenkirchen verbracht hat, nach eigenen Worten da schon eine «kleine Ochsentour» in der Partei hinter sich. In der ersten Wahlperiode warteten aber dennoch etliche «Probleme» und «Fettnäpfchen» auf die Bundestagsnovizin, wie sie selbst einmal sagte. Trotzdem gelang es ihr auch, die Aufmerksamkeit des damaligen Fraktionschefs Franz Müntefering zu gewinnen, der sie im Plenum reden ließ. Und beim Alkopop-Verbot schnupperte sie zumindest schon mal ein wenig in die Themen, für die sie jetzt zuständig ist.
Bodenständig mit Beetle
Obwohl sie nun bundesweit im Rampenlicht steht, betont Bätzing ihre Bodenständigkeit. «Der Wahlkreis ist mein Mittelpunkt, hier bin ich zu Hause», verkündet sie auf ihrer Internetseite, wo es auch heißt, sie habe «dafür Sorge getragen, dass man auch in Berlin Neuwied und Altenkirchen kennt». Ihre Angaben zu den Interessengruppen, die ihr besonders am Herzen liegen, klingen - weit jenseits ihres derzeitigen Amts - einigermaßen global: «Alle Bürger».
Im Internet verrät die Abgeordnete übrigens auch, dass sie einen roten Beetle fährt und dass sie nach der Sitzungswoche im «lauten und hektischen Berlin» besonders die stillen Momente und das intensive Familienleben mit ihrem Mann und dem Mischlingshund Lale genieße. Beim Bällchenwerfen für Lale gelinge es auch, die «düsteren Gedanken manchmal mit weg zu schleudern».
Denn düstere Gedanken können auch einer öffentlichen Frohnatur wie Bätzing im politischen Alltag bisweilen kommen. Während sie die schmauchenden Altherren der deutschen Politik bisweilen auflaufen lassen, geht sie den militanten Nichtrauchern nicht weit genug. So fordert die Gruppe «Aktiv Rauchfrei» die sofortige Entlassung der Drogenbeauftragten. Begründung: «Frau Bätzing vertritt nicht die Interessen des Volkes, sondern einseitig die Interessen der Tabakindustrie.»
