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Großstädte machen krank
25. April 2005 - 15:43 Uhr

Berlin - Großstädte wie Berlin, Hamburg oder München machen krank - zumindest viele von uns. Zu dieser Diagnose kommt Isabella Heuser, Direktorin des Instituts für Psychiatrie und Psychotherapie der Berliner Charité in einem Interview mit dem "Tagesspiegel".

"Der Auslöser einer Depression ist immer Stress", sagt die Psychiaterin. Das Problem sei, dass der Mensch heute "in immer kürzeren Zeiteinheiten immer mehr leisten" müsse. Zwar gebe es Menschen, die mit dem steigenden Tempo umgehen könnten, "manche brauchen sogar diesen Adrenalin-Kick", so Heuser. "Ein Großteil aber hält es nicht mehr aus."

Besonders hoch sei das Tempo in den Städten, wo die Beschleunigung weiter zunehme, während sich Rituale von einst auflösen. Das Wochenende, sogar der Sonntag, werde deshalb von vielen immer mehr als stressig empfunden. "Das ist auch ein Grund, warum ich dagegen bin, dass es in Deutschland möglich ist, am Sonntag einzukaufen", sagt die Psychiaterin.

Um einer Depression vorzubeugen, helfe vor allem ein "geregelter, strukturierter Tagesablauf" - etwas, das uns Großstädtern immer mehr abhanden komme. Viel wohltuender für die gestresste Seele sei dagegen ein Leben "wie auf dem Dorf", sagt Heuser.

Neben dem hohen Tempo bereitet der Psychiaterin vor allem die Vereinsamung der Menschen in den Städten Sorge. "Man fühlt sich nicht mehr verbunden, und das erträgt der Mensch nur ganz schlecht", sagt Heuser. Dazu trage auch die "anonyme Karnickelstallarchitektur" in den Großstädten bei.

Besser für unser Wohlbefinden seien dagegen "kleine Einheiten", sagt die Psychiaterin, "zum Beispiel Häuser, in den drei Familien Platz haben, die sich kennen. Jede Familie wohnt auf einer abgeschlossenen Etage, aber man hat einen gemeinsamen Garten". Es gehe darum, ein Stück Dorfatmosphäre zurück in die Großstadt bringen.



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