Ex-NPD-Schatzmeister laut Bericht wegen Untreue angeklagt
Münster - Der langjährige NPD-Schatzmeister Erwin Kemna ist einem Bericht zufolge wegen gewerbsmäßiger Untreue in 86 Fällen angeklagt worden. Dem 57-Jährigen werde vorgeworfen, mehr als 813.000 Euro in zahlreichen Einzelbeträgen von Parteikonten auf Privat- und Geschäftskonten umgeleitet zu haben, berichtet der «Spiegel» unter Berufung auf den Sprecher der Staatsanwaltschaft Münster, Wolfgang Schweer. Ein Großteil des Geldes sei in Kemnas inzwischen insolventes Küchenstudio geflossen.
Kemna sitzt bereits seit Februar in Untersuchungshaft. Am Tag seiner Festnahme hatten die Ermittler Räume im persönlichen und geschäftlichen Umfeld des 57-Jährigen in Ladbergen, Lengerich und Osnabrück durchsucht. Damals hatten die Ermittler eine Summe von mindestens 627.000 Euro genannt, die Kemna von Konten der NPD für sich abgezweigt haben soll. Nach dem Bericht des Nachrichtenmagazins zweigte der frühere Bilanzbuchhalter das Geld in Einzelbeträgen zwischen 1.250 und 35.000 Euro ab.
Die 47-seitige Anklageschrift sei Schweer zufolge vor wenigen Tagen beim Landgericht Münster eingegangen, hieß es. Jetzt müsse die 7. Große Strafkammer über die Zulassung der Anklage und die Eröffnung der Hauptverhandlung entscheiden. Untreue kann mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren, in besonders schweren Fällen bis zu zehn Jahren bestraft werden. Kemnas Rechtsanwälte wollten sich laut «Spiegel» nicht zu den Vorwürfen gegen ihren Mandanten äußern.
Auf die Spur des 57-Jährigen waren die Ermittler durch die Geldwäscheverdachtsanzeige einer Bank gekommen, der dubiose Transaktionen aufgefallen waren. Seit März 2007 wurde ermittelt. Kemna hatte nach Angaben der Ermittler zwischen sieben und 15 Konten bei verschiedenen Banken, was die Ermittlungen in die Länge zog.