
24. Juli 2006 09:59 Uhr
Handy-Verbot an bayerischen Schulen in der Kritik
München / Berlin - Ein Handy-Verbot an Schulen hilft nicht bei der Erziehung aggressiver Jugendlicher. Diesen Standpunkt vertritt die Telekommunikationsbranche, die einen entsprechenden Beschluss des bayerischen Landtags kritisiert. Handys seien heute fester und wichtiger Bestandteil des Alltags Jugendlicher. Sie dienten zur Pflege sozialer Kontakte und würden gerade in Kleinstfamilien immer wichtiger, um den Alltag zwischen Alleinerziehenden und Ihren Kindern zu organisieren.
"Der Missbrauch, den wenige damit treiben, darf nicht zu einem unzeitgemäßen Generalverbot führen", kommentiert Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Hightech-Verbandes BITKOM. Hintergrund des bayerischen Verbots sind Gewalt-Videos, die von Jugendlichen per Mobiltelefon verschickt und teils selbst gedreht wurden. Das ließe sich mit einem Handy-Bann an Schulen nicht verhindern, befürchtet der Verband. "Dieses wirklich ernste Problem wird so nicht gelöst, sondern nur auf den Gehsteig vor der Schule verlagert", so Rohleder. Die Lehrer verlören damit weiter an Einfluss.
Statt Handys auf dem Schulhof komplett zu verbieten, müssten Eltern und Lehrer Ursachen und Auslöser von Gewalt-Videos zum Thema machen. "Wir stehen hier nicht vor einem technologischen, sondern vor einem pädagogischen Problem", betont der BITKOM-Chef. Er verlangt gleichzeitig, bei derartigen Straftaten konsequent die Staatsanwaltschaft einzuschalten. "Wer andere schlägt und anschließend Prügel-Filme verschickt, macht sich strafbar." Ein Verhör durch die Polizei und eine konsequente Strafverfolgung schreckten mehr ab als ein undifferenziertes Telefon-Verbot.
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