Berlin - Genau zwei Jahre ist es her, dass Microsoft-Gründer Bill Gates auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos das Ende von Spam innerhalb von zwei Jahren prophezeite. Dass die Prognose zu optimistisch war, bestätigt nun eine aktuelle Untersuchung von
Sophos. Der Computersicherheits-Spezialist hat die Länder ermittelt, aus denen zwischen Oktober und Dezember 2005 die meisten Spam-Mails versendet wurden.
Die Ergebnisse der Experten zeigen: Obwohl die meisten Spam-Nachrichten weiterhin aus den Vereinigten Staaten von Amerika stammen, nahm deren Anteil in den vergangenen Monaten signifikant ab: So sind die USA zum ersten Mal für weniger als ein Viertel aller weltweit versendeten Spam-Mails verantwortlich. Vor allem das neue CAN-SPAM-Gesetz der USA, das ein hartes Vorgehen gegen Spammer ermöglicht, sowie ein verbesserter Informationsaustausch zwischen den Internet Service Providern (ISPs) haben in Nord-Amerika dazu beigetragen, den Versand von Spam-Mails zu reduzieren.
Erst kürzlich wurden einem in Iowa/USA ansässigen Internet Service Provider in einem Prozess gegen den Spammer James McCalla aus Florida rund 11,2 Milliarden US-Dollar zugesprochen. Einem weiteren Spammer, Daniel Lin aus Detroit, droht derzeit eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren für seine Straftaten."Die gute Nachricht aus den USA: Die strengere Gesetzgebung macht sich bemerkbar und verstärkt den Druck auf die Spammer. Nach wie vor werden E-Mail-Nutzer aber weltweit mit allen Arten von unverlangten Nachrichten bombardiert. Bill Gates Prognose von vor zwei Jahren spricht nicht für seine hellseherischen Fähigkeiten - das Phänomen Spam gehört noch längst nicht der Vergangenheit an", meint Jens Freitag, Senior Technology Consultant bei Sophos.
Während die USA also die Verbreitung von unseriösen Werbe-Mails eindämmen konnten, nahm die Anzahl an nicht-englischsprachigen Spam-Nachrichten weiter zu. Dasselbe gilt für Spam-Mails, die über Zombie-PCs verbreitet werden. Zombie-PCs sind heutzutage für mehr als 60 Prozent aller weltweit versendeten Spam-Mails verantwortlich. Der Grund für den Zuwachs dieser Versand-Methode liegt auf der Hand: Zombie-PCs ermöglichen es Spammern, den länderspezifischen Gesetzen zu entkommen, da sie sich dank der von ihnen betriebenen Spam-Maschinen nicht mehr länger auf einen bestimmten Ort festlegen müssen. Bei kriminellen Spammern werden zudem so genannte "pump-and-dump"-Aktionen immer beliebter. Die Versender der Nachrichten versuchen dabei, durch unseriöse Anlagetipps potenzielle Investoren zu ködern und so die Kurse künstlich in die Höhe zu treiben, bevor sie die Aktien verkaufen.
Wie schon in dem im Oktober 2005 veröffentlichten Ranking zeigen sich deutsche Spammer aber vergleichsweise wenig aktiv und nehmen mit einem Anteil von 1,8 Prozent den zwölften und letzten Platz ein. Österreich dagegen schaffte es zum ersten Mal unter die zwölf Länder, die weltweit die meisten Spam-Mails versenden und landete mit einem Anteil von 2,4 Prozent auf Platz acht. Nicht mehr zum "dreckigen Dutzend" gehört Großbritannien - im Oktober noch auf dem zehnten Platz. Aber zurück zur Spitzengruppe der "Spam-Schleudern": Neben den USA schnitt nämlich auch Südkorea besser als im Oktober ab. Fast 10 Prozentpunkte verloren die Sükoreaner und befinden sich nun in der Rangliste auf Platz drei hinter China - mit einem Anteil von 22,3 Prozent knapp hinter den USA platziert.
"Computer-Anwender, die ihre Rechner mittels geeigneter Schutzsoftware davor schützen, als Zombie-PCs missbraucht zu werden, tragen dazu bei, das Spam-Aufkommen zu reduzieren. Wir appellieren deshalb an alle User, ihre Antiviren-Software und Spam-Filter regelmäßig zu aktualisieren und es kriminellen Hackern und Spammern damit so schwer wie möglich zu machen, ihre kriminellen Absichten zu erreichen. Dass der Anteil an englischsprachigen Spam-Mails abnimmt, beweist, dass Spammer versuchen, jede Ecke des weltweiten Markts mit ihren profitgierigen Attacken zu erreichen", erläutert Sicherheitsexperte Freitag.
Um nicht Opfer von Spam- und Viren-Attacken zu werden, empfiehlt er allen PC-Nutzern, ihre Anti-Viren-Software regelmäßig zu aktualisieren und eine richtig konfigurierte Firewall einzurichten. Darüber hinaus sollten Anwender stets die aktuellen Security-Patches auf ihren Rechnern installieren, damit diese nicht Teil eines Zombie-Netzwerks werden können. Für Firmen forderte Freitag unternehmensweite Richtlinien im Umgang mit E-Mail und Internet.