Trotz der jüngsten Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank gibt es für Anleger weiterhin attraktive Angebote bei Tages- und Festgeld. Bis zu 5,5 Prozent sind derzeit möglich, und einige Institute locken sogar mit Zinsgarantien. Mehrere Banken haben ihre Zinsen zwar gekürzt, jedoch überwiegend beim Festgeld. «Dennoch sind die Zinsen im Moment noch recht hoch, und wer längere Zeit auf sein Geld verzichten kann, der sollte schnell zugreifen», betont Max Herbst von der Frankfurter Finanzberatung FMH.
So bieten viele Banken bei einer Festgeldanlage von 10.000 Euro für 12 Monate rund 5,0 Prozent, in der Spitze sind es sogar 5,35 Prozent. Wer den gleichen Betrag in Tagesgeld anlegen will, der bekommt laut FMH auch als Bestandskunde derzeit bis zu 5,5 Prozent. Bei den 15 besten Angeboten sind mindestens 4,0 Prozent drin.
Bei Tagesgeld haben erst wenige Banken die Zinsen gesenkt. «Die Auswahl an guten Angeboten ist weiterhin groß, bei einigen Instituten sind die Zinsen in jüngster Zeit überraschenderweise sogar gestiegen», sagt Herbst. Offenbar sei es für manche Banken sinnvoller, sich das Geld bei Anlegern zu leihen als bei anderen Kreditinstituten. Einige Banken bieten den Anlegern für ihre Top-Angebote sogar Zinsgarantien bis zu einem halben Jahr. Die Höchstbeträge sind dabei meist auf 30.000 oder 50.000 Euro begrenzt.
Auch das Kleingedruckte lesen
Dennoch ist nicht jedes Angebot unbedingt empfehlenswert. Manche Institute bieten ihren Zins nur für niedrige Anlagesummen, zahlen den Zins nur kurz oder lediglich für Neukunden. Das ist für Interessenten aber oft nicht gleich ersichtlich. «Deshalb sollte niemand auf die Werbung vertrauen, sondern vor der Kontoeröffnung genau das Kleingedruckte lesen», sagt Peter Lischke von der Verbraucherzentrale Berlin. Einen Überblick zu den aktuellen Konditionen bieten entsprechende Vergleichsportale im Internet.
Sehr begehrt sind derzeit auch Bundeswertpapiere. «Die Nachfrage übertrifft alle Erwartungen, gefragt ist dabei vor allem die Tagesanleihe des Bundes», sagt Carl Heinz Daube, Geschäftsführer der Deutschen Finanzagentur. Die Tagesanleihe wird aktuell mit rund 2,7 Prozent verzinst. Sie kann täglich ge- und verkauft werden und verbindet die Vorteile des Tagesgeldes mit denen eines Bundeswertpapiers. Seit dem Start im Sommer haben die Bundesbürger bereits 2,8 Milliarden Euro investiert, allein im Oktober waren es 1,7 Milliarden Euro.
Neue Bundeswertpapiere in Planung
Die Nachfrage belegt, wie hoch das Sicherheitsbedürfnis der Bundesbürger ist. Immerhin gingen bei der Finanzagentur in den vergangenen Wochen bis zu 40.000 telefonische Anfragen pro Tag ein. Angesichts der steigenden Nachfrage werden bereits neue Bundeswertpapiere vorbereitet, die möglicherweise schon im nächsten Jahr auf den Markt kommen. «Es sind weitere Produkte der Finanzagentur in Planung, der Starttermin steht aber noch nicht fest», sagt Daube.
Jeder dritte Bundesbürger plant innerhalb der nächsten sechs Monaten weitere Investitionen, wie eine aktuelle Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (Gfk) unter 2000 Bundesbürgern für den Finanzdienstleister JP Morgan ergab. Dabei geht Sicherheit über alles, und an erster Stelle steht das Sparbuch, in dem fast 14 Prozent ihr Geld anlegen wollen, obwohl das oft kaum ein Prozent Zinsen bringt. An zweiter Stelle folgt Tagesgeld, in das 13,5 Prozent investieren wollen. Weitere 12 Prozent der Deutschen planen den Kauf von Investmentfonds, während lediglich 5,6 Prozent in Aktien anlegen wollen. Die weitere Börsenentwicklung schätzt nur jeder Vierte optimistisch ein, wie die Umfrage ergab. Und rund 57 Prozent der Bundesbürger planen derzeit überhaupt keine Geldanlage.
