Medien-Menschen und Künstler haben es nicht einfach. Sie sollen ihre Botschaften gedruckt, online und auf mobilen Geräten verbreiten und zudem möglichst attraktiv und interaktiv anbieten. Für dieses «crossmediale» Arbeiten hat das kalifornische Software-Haus Adobe vor fünf Jahren die «Creative Suite» (CS) zusammengestellt. Auf der Photokina in Köln wird in dieser Woche die vierte Auflage vorgestellt, mit der die Möglichkeiten für kreative Grenzüberschreitungen weiter ausgebaut werden.
Das mächtige Programmpaket umfasst 14 verschiedene Anwendungen, die sich für bestimmte Zwecke einzeln verwenden lassen, zugleich aber einen vielfältigen «Workflow» und die Zusammenarbeit im Team unterstützen. Bei großen Projekten wirken Texter, Fotografen, Grafiker, Videofilmer, Tontechniker, Web-Designer und Programmierer zusammen. Kleinere Projekte werden von kreativen Einzelkämpfern gestemmt, die das enge Zusammenspiel der einzelnen Anwendungen zu nutzen wissen.
Beim Test der Beta-Version von Adobe CS 4 wurden unterschiedliche Wege durch die Multimedia-Welten erkundet, wobei immer wieder «neue Features und versteckte Juwelen» auftauchten, wie es im Test-Leitfaden zum Illustrator CS 4 heißt, dem Vektorgrafik-Programm des Pakets. Dort findet sich jetzt etwa eine «Klecks-Bürste» (Blob Brush), mit der man so intuitiv malen kann wie mit Fingerfarbe. Interessante Wirkungen ergeben sich auch bei der Anwendung von transparenten Farben und Farbverläufen.
Flash-Animationen jetzt viel einfacher
Der Illustrator übergibt die fertige Zeichnung an Flash CS 4, das Programm für Animationen und interaktive Web-Anwendungen. Wer sich bislang noch nie an diese Software getraut hat, sollte es in der neuen Version einmal versuchen. Flash nutzt jetzt ein objektbasiertes Modell, mit dem sich Animationen sehr viel einfacher erstellen lassen als bisher.
Anstatt erst «Keyframes» und Symbole in der Zeitleiste zu platzieren, kann man nun mit einem einfachen Rechtsklick auf das in Illustrator oder auch in Flash selbst erstellte grafische Objekt eine Animation (»Tween») gestalten, bei der sich das Objekt an einen anderen Ort bewegt. In Verbindung mit dem 3D-Rotationswerkzeug dreht sich das Objekt dabei einmal um sich selbst. Die Feinsteuerung der Animation wird in einem besonderen Bewegungseditor gesteuert.
Um ein Objekt schnell mit typischen Animationen zu versehen, gibt es einen Katalog von Bewegungsvorlagen. Komplexe Bewegungsabläufe lassen sich in einem XML-Format speichern und können mit anderen Flash-Nutzern ausgetauscht werden.
Ein anderer Workflow beginnt etwa beim Photoshop, der in der Creative Suite für die Bildbearbeitung zuständig ist. Die neue Version wartet erstmals mit 3D-Funktionen auf, mit denen sich etwa ein Foto-Würfel als Blickfang für eine Broschüre gestalten lässt. Das Ergebnis wird dann dem Layout-Programm Indesign übergeben. Von dort aus führen wieder mehrere Wege zum Cross-Media-Output: Um die Broschüre an eine Druckerei zu schicken, wird sie als PDF-Datei gespeichert, für deren Bearbeitung die Anwendung Acrobat zuständig ist.
Eine andere Brücke führt von Indesign zu Flash, wofür Adobe das neue Format XFL entwickelt hat. Damit lassen sich mit Indesign erstellte Layouts für interaktive Flash-Anwendungen nutzen.
XFL wird außerdem genutzt, um Flash und After Effects miteinander zu verbinden, womit interaktive Videos möglich werden. After Effects, Premiere und Soundbooth sind die drei wichtigsten Programme des Pakets für die Film- und DVD-Produktion.
Dreamweaver führt durch den Tag- und Skript-Dschungel
Wichtigste Schaltstelle für Web-Publikationen ist der Dreamweaver, der ebenfalls ein Layout von Indesign übernehmen kann. Die neue Version dieses Web-Design-Programms hilft dem Anwender dabei, sich einfacher im Dschungel der HTML-Tags und Skript-Anweisungen zurechtzufinden. So öffnet der neue Dreamweaver automatisch alle in einer HTML-Datei genannten CSS-Dateien für das Layout sowie die enthaltenen Skriptdateien. Eine zusätzliche Ansicht mit der Bezeichnung LiveView zeigt die Webseite an, wie sie in einem standardkonformen Browser aussieht. Änderungen beispielsweise am CSS-Design werden so gleich sichtbar.
Das einstige Bildbearbeitungsprogramm Fireworks, das Adobe vor drei Jahren zusammen mit Flash und Dreamweaver von Macromedia übernommen hat, ist nun zu einem Spezialwerkzeug für den Entwurf von Webseiten-Layouts und die Gestaltung von Anwendungsoberflächen geworden. Dazu gehört auch die nahtlose Unterstützung für AIR, eine neue Adobe-Technik für die Entwicklung von Programmen, die unter Windows ebenso laufen wie auf einem Mac.
So unterschiedlich der Werdegang der einzelnen Anwendungen auch ist, inzwischen bieten sie eine weitgehend einheitliche Oberfläche. Mehrere Dateien werden in einzelnen Tabs geöffnet. Um für bestimmte Arbeitsabläufe die gerade dafür benötigten Werkzeuge griffbereit zu haben, wird ihre Anordnung in einem «Workspace» gespeichert, der jederzeit aufgerufen werden kann.
Zu den übergeordneten Anwendungen des Programmpakets gehört Adobe DeviceControl. Damit lässt sich die Darstellung von Webseiten, Filmen, Fotos oder Dokumenten auf mobilen Geräten kontrollieren. Die Software simuliert dazu das Display verschiedenster mobiler Geräte. Damit wird es möglich, den mobilen Content so aufzubereiten, dass er von möglichst vielen Handys optimal angezeigt wird.
Die Creative Suite 4 wird in mehreren Ausführungen angeboten. Alle Programme gibt es sowohl für Windows als auch für Mac. Über Preise und Zusammenstellungen der Pakete informiert die Webseite des Herstellers.
