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23. September 2008
Photoshop hebt ab in die dritte Dimension


Köln - Seit 18 Jahren ist der Photoshop das Standardprogramm für die professionelle Bildbearbeitung. Über zehn Versionen hinweg ist die Manipulation der Fotopixel immer raffinierter geworden. So können etwa seit dem Photoshop 3.0 (1994) mehrere Ebenen übereinander gelegt werden. Die auf der Photokina in Köln vorgestellte elfte Ausgabe, Adobe Photoshop CS 4, hebt jetzt ab in die dritte Dimension.

«Die Verbindung von 2D und 3D kann sehr mächtig sein», erklärt Adobe-Manager Dave Story. Die Nachfrage der kreativen Content-Branche werde immer stärker. Wichtige Anstöße gingen vor allem von Computerspielen aus. «Jetzt bringen wir die einfache Bedienung des Photoshops in die 3D-Welt.»

Der Einstieg in die dritte Dimension befindet sich in einem eigenen Menü-Eintrag «3D». Dort kann man 3D-Modelle öffnen, die mit einem anderen Programm wie dem 3D Studio von Autodesk erstellt wurden. Diese lassen sich in alle Richtungen drehen, ein 3D-Achsenkreuz hilft bei der Orientierung. Soll eine 3D-Oberfläche mit einem Foto oder einem Muster versehen werden, öffnet man die gewünschte Grafik in einer eigenen Ebene und verschmelzt diese dann mit der 3D-Ebene: Das Bild passt sich der 3D-Form an, wölbt sich also zum Beispiel über die Motorhaube eines Autos.

Aber auch ohne ein externes 3D-Modell lassen sich plastische Foto-Objekte erzeugen. Dazu dient im 3D-Menü der Befehl «New Shape from Layer» (Neue Form aus Ebene). Hier stehen elf 3D-Grundformen zur Verfügung, darunter etwa ein Würfel, eine Kugel oder ein Zylinder. Die Flächen lassen sich nun frei mit 2D-Pixelmaterial bestücken. Der dreidimensionale Eindruck kann mit ausgefeilten Beleuchtungseffekten vertieft werden.

Alle Werkzeuge, die man für die 3D-Bearbeitung benötigt, sind in einer speziell dafür vorbereiteten Arbeitsumgebung vorbereitet. Will man anschließend ein Video bearbeiten, kann man einfach auf die dafür vorgesehene Umgebung umschalten. Neun solcher «Workspaces» stehen bereits zur Verfügung, weitere kann man sich wie bisher selbst einrichten und abspeichern.

Bei der Videobearbeitung bietet der Photoshop CS 4 eine Zeitleiste mit Spuren für Audio und Kommentare. Die einzelnen Frames lassen sich mit allen Werkzeugen der Bildbearbeitung manipulieren. Die Exportformate reichen von Windows Media über Quicktime und AVI bis MPEG-4.

Eine praktische Neuerung sind die Anpassungsebenen, die eine präzisere Kontrolle der Bildbearbeitung ermöglichen. So wird für die Anpassung von Tonwerten, Kontrast, Farben und einigen Filtern automatisch eine jeweils eigene Ebene angelegt. Wird die Sichtbarkeit dieser Ebenen ein- und ausgeschaltet, sieht man auf Anhieb, was sich geändert hat. In jeder Ebene lässt sich die Stärke der Anpassung auch nachträglich regulieren. Erster Wunsch für das nächste Update: Eine Anpassungsebene auch für das Nachschärfen mit dem Filter «Unscharf Maskieren».

Für das Auswählen von bestimmten Bildelementen gibt es entsprechende «Maskenebenen». Mit Hilfe der Farbpipette können hier einzelne Motive gezielt herausgehoben werden, was sehr viel genauer gelingt als beim Zeichnen der Umrisse mit der Maus.

Verbessert haben die Entwickler auch die Darstellung der Fotos auf dem Bildschirm, indem sie gezielt die Fähigkeiten moderner Grafikchips ausgenutzt haben. Auch bei verkleinerter Anzeige der Pixel kommt es nicht zu Verzerrungen, das Bild erscheint immer gleich scharf. Bei hohen Vergrößerungen von 2.000 Prozent und mehr lassen sich die einzelnen Pixel bearbeiten, die in einem detaillierten Netzgitter platziert werden.

Videokonferenz zur Bildbearbeitung

Der Photoshop macht in der neuen Version einen sehr viel aufgeräumteren Eindruck. In Anlehnung an die Browser-Entwicklung lassen sich die Fotos jetzt auf verschiedenen «Tabs», also einzelnen Registerkarten, darstellen. So kann man schnell zwischen verschiedenen Bildern hin und her klicken, ohne erst umständlich Fenster verschieben zu müssen.

In der neuen Anwendungsleiste bietet ein Button weitere Darstellungsmöglichkeiten an. Dort findet sich auch das oft benötigte Zoom-Werkzeug, um die Pixel in der vollen 100-Prozent-Ansicht zur Geltung zu bringen. Neu ist dort auch ein Button zum Drehen der Leinwand: Das Foto wird mit der Maus angefasst und nach rechts oder links gedreht. Bisher mussten dazu noch umständlich Prozentwerte in einem Dialogfenster eingegeben werden.

Übersichtlicher ist auch die zum Photoshop gehörende Dateiverwaltung Bridge, die Fotos und andere Dokumente mit allen zugehörigen Metadaten aufführt. Bridge übernimmt die Einstellungen des Adobe-Programms Lightroom beim Umgang mit Fotos im Raw-Format.

Für den schnellen Austausch mit Kollegen und Freunden unterstützt der neue Photoshop die in diesem Jahr neu eingeführte Adobe-Technik ConnectNow. Über eine vom Adobe-Server zugeteilte Webseite und einen Passwortzugang können bis zu drei Personen eingeladen werden, einen Blick auf den eigenen Bildschirm zu werfen, zu chatten oder an einer Videokonferenz teilzunehmen.

Photoshop CS 4 ist ab Dezember einzeln erhältlich für Windows oder Mac. Die 3D- und Videofunktionen gibt es nur in der «Extended»-Ausgabe zum Preis von 1.250 Euro, die Standardausgabe kostet 850 Euro. Die Software ist außerdem Teil des umfangreichen Pakets der Adobe Creative Suite (CS) 4 mit einer Vielzahl von kreativen Anwendungen.








 
 



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