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22. Dezember 2008

Arme Kinder könnten Verlierer der Finanzkrise werden



Berlin - Arme Kinder drohen aus Sicht des Kinderschutzbunds zu Verlierern der aktuellen Wirtschaftskrise zu werden. Schon in den vergangenen Boomjahren sei die Zahl der Kinder und Jugendlichen aus Hartz-IV-Familien auf 2,5 Millionen gestiegen, sagte Verbandspräsident Heinz Hilgers der Nachrichtenagentur AP in Berlin. «Das wird die Wirtschaftskrise nun noch verschärfen.» Dringend nötig sei eine Aufstockung des Hartz-IV-Regelsatzes für Heranwachsende. Auch der Kinderzuschlag für Geringverdiener müsse steigen.

Der Hartz-Regelsatz für Kinder beträgt aktuell 211 Euro monatlich, das sind 60 Prozent der Zahlung an Erwachsene. «Die Summe ist gegenüber den wirklichen Bedürfnissen eines Kindes sehr respektlos», sagte Hilgers. Der Bedarf von Kindern müsse gesondert berechnet und erhöht werden - je nach Alter auf 276 bis 325 Euro. «Ein Erwachsener kann mit dem Wintermantel und seinen Schuhen vielleicht ein paar Jahre auskommen. Kinder brauchen aber jedes Jahr einen neuen Anorak und noch öfter neue Schuhe.»

Hilgers klagte zudem über die wachsende Zahl von Aufstockerfamilien mit niedrigen Einkommen, die zusätzlich Hartz-IV beziehen müssen, weil sie anders ihre zwei oder drei Kinder nicht ernähren können. Um ihnen zu helfen, müsse der Kinderzuschlag von aktuell 140 Euro im Monat kräftig steigen, meinte Hilgers. «Ich schlage 175 Euro ab dem ersten Kind vor und 225 Euro ab dem dritten Kind. So könnten 700.000 Aufstockerfamilien aus dem Hartz-IV-Bezug geholt werden. Denn mit dem jetzigen Zuschlag werden nur knapp 200.000 erreicht.»

Schulstarterpaket «völlig unzureichend»

Scharfe Kritik übte Hilgers auch am neuen «Schulhilfspaket» von 100 Euro je Schuljahr für Kinder aus Hartz-IV-Familien. Der Zuschuss für Bücher, Hefte und Ranzen sei «völlig unzureichend und hat mit dem wahren Bedarf nichts zu tun», sagte er. «Wir haben im Berliner Wedding versucht, einen Erstklässler so günstig wie möglich mit dem Nötigsten auszustatten. Wir sind in keinem Fall unter 300 Euro gekommen.»

Der Verbandspräsident beklagte zudem, dass trotz aller politischen Anstrengungen die Bildungschancen armer Kinder in Deutschland deutlich schlechter seien als die wohlhabender Kinder. Vor diesem Hintergrund sei es unverständlich, dass mit sinkenden Schülerzahlen der Staat immer auch die Zahl der Schulen verringere und Lehrerstellen kürze. «Sinnvoll wäre es aber, das Geld im System zu lassen, obwohl wir weniger Kinder haben. Daraus könne ein pädagogischer Qualitätsschub» entstehen. Das wäre eine wichtige Maßnahme», sagte Hilgers.

Hilfe zur Selbsthilfe sei auch in punkto Bildung die beste Vorsorge, sagte er. «Sonst werden aus armen Kindern wieder nur Leistungsempfänger und nicht Leistungsträger. Das ist nicht nur eine menschliche Katastrophe, sondern auch eine ökonomische.»

Kinder häufiger arm als Erwachsene

Kinder in Deutschland sind häufiger arm als Erwachsene. Die Anzahl der Kinder, die in relativer Armut aufwachsen, ist in den letzten zehn Jahren gestiegen. Dagegen ist die allgemeine Armut kaum gewachsen.

Ein Bericht der Bundesregierung aus dem Mai hat hohe Armutsrisiken für bestimmte Gruppen von Kindern und Jugendlichen ermittelt. So sind etwa 40 Prozent der Kinder von Alleinerziehenden von Armut bedroht. Aber auch 30 Prozent der Migrantenkinder sowie fast zwei Drittel der Kinder von Hartz-IV-Empfängern sind betroffen.

 




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