Die heftig unter Beschuss stehende staatliche KfW-Bank rechnet für das Gesamtjahr 2008 mit roten Zahlen. Hintergrund sind die millionenschwere Überweisungspanne an die insolvente US-Investmentbank Lehman und Belastungen wegen der inzwischen verkauften Mittelstandsbank IKB. «Ich fürchte, dass wir schwarze Zahlen nicht schaffen werden, eben wegen der IKB- und auch der Lehman-Belastungen», sagte KfW-Chef Ulrich Schröder dem «Handelsblatt». Zur Höhe des Verlustes wollte er sich nicht äußern.
Für Verwirrung sorgt die Vorgeschichte der 300-Millionen-Überweisung an die so gut wie insolventen Lehman Brothers am 15. September. Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtete, die Zahlung sei offenbar doch in voller Absicht ausgeführt worden. Dies legten erste interne Auswertungen des Vorfalls nahe. Diese Auswertungen seien auch die Basis für die Entscheidungen des KfW-Verwaltungsrats am Donnerstagabend gewesen, drei Entscheidungsträger zu suspendieren.
Am Freitag vorvergangener Woche seien KfW-Mitarbeiter zusammengekommen, und über die Entwicklung von Lehman und die anstehende Zahlung beraten haben. Dabei sei festgestellt worden, dass die Lage bei Lehman nicht so gut aussehe. Entschieden worden sei daraufhin, dass die Überweisung noch ausgeführt, aber kein Neugeschäft mehr eingegangen werde. Offenbar seien die Verantwortlichen dann weder von der sich über das Wochenende zuspitzenden Lage bei Lehman noch von Berichten über deren Insolvenz bewogen worden, die Überweisung noch zu stoppen.
Eine KfW-Sprecherin wollten den Bericht am Montag nicht kommentieren und verwies auf das Interview mit KfW-Chef Schröder im «Handelsblatt», in dem er sagte: «Als sich die Lage bei Lehman verschärfte, gab es am 12. September, das war Freitag, eine Sitzung der verantwortlichen Abteilungen, um die Situation zu analysieren.» Dort hätte beschlossen werden müssen, «über das Wochenende die Situation zu verfolgen und im Zweifelsfall einzugreifen». Dies sei aber nicht geschehen.
Dagegen berichtete «Spiegel Online», KfW-Manager seien rechtzeitig vor der Pleite der Lehman-Bank zu dem Ergebnis gekommen, keine Überweisung mehr zu tätigen. Bei der Sitzung am 12. September seien die zuständigen Vorstände Peter Fleischer und Detlef Leinberger sowie ein Bereichsleiter - alle drei sind inzwischen suspendiert - zu dem Ergebnis gekommen, dass keine weiteren Überweisungen an Lehman vorgenommen werden sollte. Den Beschluss habe aber niemand umgesetzt.
«Geschäftspolitik noch konservativer fahren»
Zum erwarteten Verlust bei der KfW sagte Bank-Chef Schröder, dieser hänge von der Entwicklung der Finanzkrise und der Bewertung des Wertpapierbestands ab. Ziel sei es jedoch, alle Altlasten noch im Jahresabschluss 2008 zu verarbeiten. Schon im vergangenen Jahr hatte die KfW-Bank mit einem Konzernverlust von 6,2 Mrd. Euro das größte Minus in ihrer 60-jährigen Unternehmensgeschichte eingefahren.
Als Konsequenz aus dem Überweisungsdebakel an die zusammengebrochene US-Bank Lehman, das die KfW voraussichtlich rund 350 Millionen Euro kosten wird, kündigte Schröder ein verschärftes Risikomanagement und eine konservativere Anlagepolitik der Staatsbank an. «Wir sind aber gut beraten, vor dem Hintergrund der Erfahrungen der aktuellen Situation unsere Geschäftspolitik noch konservativer zu fahren», sagte er.
