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22. September 2007

Schulden machen, jobben oder Eltern anpumpen?



München - Im Oktober geht für gut zwei Millionen Studierende in Deutschland das neue Wintersemester los. Die meisten kommen mit ihren Ersparnissen nicht weit. Über 40.000 Euro braucht ein Student heutzutage im Schnitt für ein fünfjähriges Studium, wie Stiftung Warentest berechnet hat. An vielen Unis müssen ab jetzt noch Studiengebühren von einigen hundert Euro pro Semester extra hingeblättert werden. Wie lässt sich die Zeit an der Hochschule am günstigsten finanzieren?

Helga Springeneer vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) rät zum Finanzierungsmix. Als Geldquellen kommen unter anderem in Frage: Unterhalt durch Eltern, Studienkredit bei Bank oder Sparkasse, Bafög oder Bildungskredit vom Staat, Geld aus privaten Bildungsfonds, Stipendium oder nebenbei jobben.

«Bevor man einen Studienkredit unterschreibt, sollten alle anderen Alternativen abgeklopft werden», betont Springeneer. Die Zinsen für ein Bankdarlehen sind nach ersten Untersuchungen von Stiftung Warentest zwar günstig. Der angehende Akademiker stürzt sich aber in Schulden, die später in jedem Fall komplett abgestottert werden müssen - auch dann, wenn er das Studium schmeißt, keinen Job findet oder kein eigenes Einkommen hat.

90 Prozent der Studierenden können zuerst einmal auf die Unterstützung ihrer Eltern bauen, so die Erkenntnis von Andrea Hoops, stellvertretende Generalsekretärin des Deutschen Studentenwerks (DSW). Im Schnitt kriegen sie durchschnittlich 448 Euro zugeschossen. Können Mutter und Vater nicht oder nur wenig zahlen, haben die Kinder Anspruch auf staatliche Finanzhilfe nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög). Bafög wird als Mix aus Zuschuss und zinslosem Kredit gewährt.

Der große Vorteil: Das Darlehen muss nach dem Studium nur zur Hälfte und bis zum Höchstbetrag von 10.000 Euro zurückgezahlt werden. Die Bewilligung ist nicht abhängig von Noten oder Studiengang. Laut DSW-Studie bekommt ein Viertel der Studierenden Bafög, und zwar im Schnitt 376 Euro monatlich. Die höchstmögliche Förderung sind 585 Euro. Wie viel der Einzelne bekommt, hängt vom eigenen Vermögen und den Einkünften der Eltern ab. (Antragsformulare unter www.das-neue-bafoeg.de).

Reichen die Mittel wegen außergewöhnlicher Ausgaben wie einem Auslandssemester nicht aus, haben fortgeschrittene Studenten die Chance, einen zusätzlichen, günstigen Bildungskredit zu ergattern. Die Finanzspritze vergibt die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau(KfW)-Förderbank - unabhängig von der Vermögenslage. Das Geld gibt es erst ab bestandener Zwischenprüfung oder nach einem Bachelor-Abschluss. Für längstens zwei Jahre sind bis zu 300 Euro im Monat drin, maximal 7.200 Euro. Der Bildungskredit kann beim Bundesverwaltungsamt beantragt werden (www.bva.bund.de). Mit der Rückzahlung muss spätestens vier Jahre nach der ersten Auszahlrate begonnen werden.


Geld von privaten Bildungsfonds


Geld fürs Studium gibt es neuerdings auch von privaten Bildungsfonds, in die Unternehmen und Privatleute einzahlen. Auf Unterstützung können aber nur ausgesuchte, leistungsstarke Studenten hoffen. Die Kandidaten müssen sich häufig online um Fördermittel bewerben. Entscheidend ist auch die Aussicht auf einen überdurchschnittlichen Verdienst nach der Hochschulausbildung. Die Rückzahlung ist später ans Einkommen gekoppelt. Wer dann wenig verdient, macht ein gutes Geschäft. Wer ein hohes Gehalt bezieht, wäre womöglich mit einem Bankenkredit besser gefahren.

Auch ein Stipendium kann aus der Finanzklemme helfen - und das nicht nur Hochbegabten, wie Stiftung Warentest betont. Neben einem Einser-Abitur kann der Geburtsort, der Beruf der Eltern oder das Studienfach ausschlaggebend sein, je nach Stipendiengeber. Der unschlagbare Vorteil: Das Geld muss nicht zurückbezahlt werden. Nur etwa zwei Prozent der Studenten bekommen laut DWS Stipendien. Die großen Förderwerke zahlen bis zu 525 Euro im Monat, andere schießen Büchergeld von 80 Euro monatlich zu. (Informationen unter anderem unter www.stiftungsrecherche.de oder www.e-fellows.net).

Wer glaubt, sich durch einen Nebenjob während des gesamten Studiums über Wasser halten zu können, wird spätestens zum Ende hin Probleme bekommen. Für die Examenszeit sei ein kurzer Studienkredit sinnvoll, so Hoops. Grundsätzlich helfen die Studentenwerke an den Unis bei Finanzierungsfragen weiter. Für Notfälle halten einige Überbrückungsdarlehen bereit.




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