Trotz zunehmender alternativer Lebensmodelle spielt der Trauschein immer noch eine große Rolle für die Familiengründung. Wichtig ist die Ehe als traditionelle Basis besonders bei Familien ausländischer Herkunft. Gerade sie sind häufig kinderreich und damit ähnlich wie Alleinerziehende besonders armutsgefährdet. Das geht aus Daten zum «Familienland Deutschland» hervor, die das Statistische Bundesamt am Dienstag in Berlin vorstellte.
So wurden nur 30 Prozent der Kinder 2006 unehelich geboren, und ein guter Teil der unverheirateten Eltern traute sich nachträglich doch noch. Von den knapp 8,6 Millionen Familien in Deutschland waren 2007 noch 74 Prozent (1996: 81 Prozent) Ehepaare mit Kindern. Alleinerziehende machten 18 Prozent aus und Lebensgemeinschaften acht Prozent. Damit nahm der Anteil alternativer Familienformen von 19 auf 26 Prozent zu. Dabei leben Familien ausländischer Herkunft eher traditionell: Bei ihnen sind nur 18 Prozent unverheiratet oder alleinerziehend gegenüber 29 Prozent ohne Migrationshintergrund.
Migrantenfamilien haben auch häufiger drei oder mehr Kinder: 16 Prozent zählen als kinderreich, bei Familien ohne Migrationshintergrund neun Prozent. Ab dem dritten Kind erhöht sich den Zahlen zufolge auch deutlich das Armutsrisiko: So waren 2005 acht Prozent der Paarfamilien mit einem Kind armutsgefährdet, mit drei und mehr Kindern 13 Prozent. Bei Alleinerziehenden betrug die Quote bei einem Kind 24, bei drei und mehr Kindern 42 Prozent.
Elterngeld kommt bei Vätern gut an
Bei 51 Prozent der Paare mit Kindern gehen beide Partner arbeiten. Die klassische Rollenverteilung, wonach allein der Vater berufstätig ist und die Mutter Hausfrau, pflegen 35 Prozent. Dass ausschließlich die Mutter erwerbstätig ist und der Vater zu Hause bleibt, ist mit 5 Prozent die große Ausnahme. Bei neun Prozent der Paare mit mindestens einem Kind unter 15 Jahren war keiner der beiden Partner aktiv erwerbstätig, darunter auch diejenigen, die wegen Elternzeit vorübergehend beurlaubt sind.
Das Elterngeld wird von den Vätern immer häufiger in Anspruch genommen. Von Januar 2007 bis März 2008 waren zwölf Prozent der bewilligten Elterngeldanträge für 2007 geborene Kinder von den Vätern gestellt worden. Damit hat sich der Väteranteil gegenüber dem früheren Erziehungsgeld fast vervierfacht.
Zugleich ist das Kinderbetreuungsangebot besser geworden. Im März 2007 hatten rund 320.000 Kinder unter drei Jahren einen Platz, das sind bundesweit 16 Prozent (2006: 14 Prozent). Krass ist nach wie vor der Unterschied zwischen Ostdeutschland mit 41 und Westdeutschland mit zehn Prozent. Von den drei- bis fünfjährigen Kindern wurden 89 Prozent betreut (2006: 87 Prozent).
Leyen will Kindergeld gestalten
Familienministerin Ursula von der Leyen sah ihre Politik bestätigt und verwies auf die anstehenden Beratungen über eine Kindergelderhöhung. Dann werde nicht nur über eine Erhöhung gesprochen werden, «sondern auch darüber, wie wir das Kindergeld gestalten, damit es da wirkt, wo es am nötigsten gebraucht wird», erklärte sie. Die CDU-Politikerin befürwortet eine zugunsten kinderreicher Familien gestaffelte Anhebung.
Derzeit spart der Staat einem Bericht zufolge beim Kindergeld Milliardenbeträge, weil die Kinderzahl weiter abnimmt und die Leistung nur noch bis zum 25. Lebensjahr gezahlt wird. Vergangenes Jahr seien die Ausgaben um zwei Prozent gesunken, schrieb die «Frankfurter Rundschau» unter Berufung auf das Bundesfinanzministerium. Bis 2012 würden Bund, Länder und Gemeinden noch einmal acht Prozent oder knapp drei Milliarden Euro jährlich sparen.
