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21. November 2008
Heikler Aufbruch in die Mitte oder Andocken im linken Hafen


Paris - Erstmals in ihrer Geschichte wird die französische Sozialistische Partei (PS) von einer Frau geführt werden: Expräsidentschaftskandidatin Ségolène Royal und die frühere Arbeitsministerin Martine Aubry standen am Freitag nach der ersten Runde der Urabstimmung vom Donnerstag in der Stichwahl um die Nachfolge von Francois Hollande.

Der Ausgang wird für die Zukunft der PS entscheidend: Royal will die völlig zerstrittenen Sozialisten in die Mitte führen und einen harten Generationenwechsel einleiten. Aubry steht für eine «linke Verankerung» und wird nahezu von allen Führungskräften unterstützt. Auch der Europaabgeordnete Benoit Hamon, der in der ersten Runde als Drittplatzierter ausschied, rief seine Anhänger in der Nacht zum Freitag zur Wahl Aubrys auf.

Die Architektin der 35-Stunden-Woche geht damit als klare Favoritin in Runde zwei. Bis 22.00 Uhr konnten die Parteimitglieder am Freitag ihre Stimmen abgeben, mit einem Ergebnis wurde nicht vor dem frühen Morgen gerechnet.

Zentrale Bedeutung hat der Ausgang des Machtkampfes auch für die kommende Präsidentschaftswahl 2012: Der künftige Parteichef hat gute Aussichten auf die Kandidatur der Sozialisten, um den konservativen Staatschef Nicolas Sarkozy herauszufordern und nach drei verlorenen Schlachten das höchste Staatsamt für die Linken zurückzuerobern.

Royal konnte die erste Runde der Urabstimmung am Donnerstag zwar klar gewinnen, erreichte aber nicht die notwendige absolute Mehrheit. Von den knapp 140.000 Mitgliedern, die ihre Stimme abgaben, votierten 43,1 Prozent für sie. Auf Aubry entfielen 34,5 Prozent. Hamon schnitt mit 22,4 Prozent überraschend gut ab, ist aber dennoch aus dem Rennen. Gleichwohl etablierte sich der 41-Jährige mit seiner Kandidatur als neues Schwergewicht der Partei.

Wahl zwischen Umbruch oder Burgfrieden

Hamon rief seine Anhänger auf «massiv für Martine Aubry zu stimmen, da dies im Interesse der Linken sei». Damit hat Royal eine geschlossene «Alles-außer-Ségolène»-Front gegen sich. Die 55-Jährige hat allerdings bereits im Kampf um die Kandidatur der Sozialisten vor zwei Jahren bewiesen, dass sie die Basis auch gegen den Widerstand der Parteispitze erobern kann. Ihr Sieg würde die Sozialisten indes in noch turbulenteres Fahrwasser bringen, weil die Präsidentin der Atlantik-Region Poitou-Charentes als PS-Chefin gegen eine Mehrheit der PS-Gremien ankämpfen müsste.

Ein Sieg Aubrys, der 58-jährigen Tochter von Ex-EU-Kommissionschef Jacques Delors, könnte die Partei zwar befrieden. Sie gilt als ebenso machtbewusst wie ihre erbitterte Kontrahentin Royal. Als Gegenkandidatin von Sarkozy bei der nächsten Präsidentschaftswahl dürften ihre Chancen indes geringer ausfallen als Royals, weil das Potenzial links der Mitte zu gering für einen Sieg über die Konservativen ist.








 
 



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