Ihr Standort: Home -> News
  


21. November 2008
Obama ist nicht Afrikas Retter


Johannesburg - Gut zwei Wochen nach den Freudentänzen über die Wahl des ersten schwarzen US-Präsidenten macht sich in Afrika wieder Ernüchterung breit. «Obama ist nicht die große Hoffnung der Schwarzen», warnt die kenianische Journalistin Priscah Edith Awino die Leser der Zeitung «Daily Nation». Im Heimatland der Vorfahren des Demokraten Barack Obama setzt sich die Erkenntnis durch, dass auch ein schwarzer US-Präsident die Probleme Kenias und des Kontinents nicht anstelle der lokalen Verantwortlichen lösen wird.

Nach 50 Jahren westlicher Hilfe bei Hungersnöten, Naturkatastrophen und Kriegen mit wechselndem Erfolg wird die Notwendigkeit einer afrikanischen Selbsthilfe immer deutlicher. Anstatt in Obama die Lösung aller Probleme zu sehen, sollten die Afrikaner lieber ihre eigenen Obamas finden, fordert Awino: Seine Wahl «sollte uns inspirieren, die Institutionen aufzubauen, die Führungspersönlichkeiten hervorzubringen, die Obamas größte Stärken aufweisen - seine würdevolle Haltung, sein Wissen und seinen Tiefgang».

Obama hat seine Haltung zu Afrika bereits skizziert - und dabei deutet sich zunächst keine Revolution an. Eine Mischung aus Finanzhilfen, Aids-Bekämpfung, Förderung des Unternehmertums und Hilfe zur Selbsthilfe will der künftige US-Präsident bieten. Bis zum Ende seiner ersten Amtszeit will er die Entwicklungshilfe von 25 auf 50 Milliarden Dollar erhöhen. Welche Länder und Kontinente davon profitieren sollen, ist allerdings bislang unklar. Afrika wird angesichts der Probleme im Nahen Osten, im Irak sowie in Pakistan und Afghanistan hart kämpfen müssen, um auf die Tagesordnung des Präsidenten zu kommen.

Obama kann nicht als arroganter Weißer abgekanzelt werden

Trotzdem wird Obama ein neues Kapitel im Verhältnis zu dem Kontinent beginnen. Dank seiner kenianischen Vorfahren, der internationalen Biografie und seines politischen Werdegangs kann er anders auftreten. Seine Äußerungen und Handlungen gegenüber Afrika werden hier mehr Aufmerksamkeit und Gewicht erhalten, denn niemand wird ihn als weißen arroganten Vertreter des Westens zurückweisen können. Bei unangenehmer Kritik war dieser Vorwurf bislang ein üblicher Reflex bei afrikanischen Staats- und Regierungschefs. Obama wird keine Diktatoren zum Rückzug bewegen können, aber sein Vorbild und seine Fürsprache könnten den Demokratie-Aktivisten auf dem Kontinent Rückendwind verleihen.

Die schlimmste Plage Afrikas neben bitterer Armut ist jedoch Krieg. Seit dem gescheiterten UN-Einsatz unter amerikanischer Führung in Somalia Anfang der 90er Jahre hat kein US-Präsident mehr Truppen in einen afrikanischen Konflikt entsendet. Beim Völkermord in Ruanda 1994 wagte die Regierung von Bill Clinton kein Eingreifen; während die Weltgemeinschaft zögerte wurden mindestens 500.000 Menschen niedergemetzelt.

Die Regierung von US-Präsident George W. Bush hat den Konflikt in Darfur offen als Völkermord gebrandmarkt und sich für Sanktionen eingesetzt. Ein Militäreinsatz wurde jedoch ebenfalls vermieden. Der Konflikt in der sudanesischen Krisenregion war jedoch ein im US-Wahlkampf gerade von Demokraten viel beachtetes Thema. Obama wird sich mit Forderungen nach einem Eingreifen konfrontiert sehen. Unterdessen spitzt sich der Konflikt im Ostkongo weiter zu und schreit geradezu nach dem Handeln der internationalen Gemeinschaft.

Amerikanische Werte als Vorbild für den Kontinent

Obama muss in Afrika auch den Fußstapfen seines Vorgängers gewachsen sein: Das Engagement für Hilfe und Aids-Bekämpfung auf dem Kontinent gehört zu den wenigen unumstrittenen Glanzlichtern von Bushs Außenpolitik. Ein milliardenschwerer Hilfsfonds hat nach Angaben des Weißen Hauses unter anderem die virusfreie Geburt von 200.000 Kindern von HIV-infizierten Müttern ermöglicht. Afrikanische Wirtschaftswissenschaftler hoffen unterdessen, dass sich Obama auch für eine Öffnung der westlichen Märkte für afrikanische Produkte einsetzen wird, um nachhaltiges Wachstum auf dem Kontinent zu ermöglichen.

Das Image der USA ist in Afrika Umfragen zufolge besonders gut. Amerika gilt als demokratisch, großzügig und offen für Einwanderer. Auf einem Kontinent, wo Wahlniederlagen und Machtkämpfe oft den Tod des Unterlegenen bedeuten können, wurde auch die Haltung des Republikaners John McCain bewundert, seine Niederlage bei der US-Präsidentschaftswahl rasch anzuerkennen. «Wenn Amtsinhaber in Afrika eine Niederlage akzeptierten und so würdevoll auf die Macht verzichteten, dann wäre das ein anderer Kontinent», sagte der simbabwische Oppositionspolitiker Tendai Biti.

Die sture Haltung des simbabwischen Machthabers Robert Mugabe, der das Land seit 28 Jahren regiert, könnte ebenfalls noch ein Thema für Obama werden. Mugabe, der kritische Meinungen westlicher Staaten immer vehement als weißen Kolonialismus zurückweist und derweil sein Land in den Bankrott treibt, könnte von Obama unter Druck gesetzt werden.

«Die amerikanischen Werte machen Amerika aus», sagt Forscher Wafula Okumu vom südafrikanischen Institut für Sicherheitsstudien. «Wenn die Amerikaner Afrika diese Werte beibringen, dann kann das dem Kontinent viel mehr Gutes tun, als einfach Geld zu überweisen.»








 
 



* kostenlos, 2x täglich
 

Google

Vom hohen Rosenthal Ross gefallen

Keine festen Alkoholgrenzen?

Klimaerwärmung?

Wieso immer zahlen?

Das können Verbraucher viel schneller

miley

Fotos

Staatsbuettel 007

Waffenlager auf Mallorca

Bisher keine Vergangenheitsbewältigung


- Anzeige -

 


- Anzeige -

 

Copyright by net-tribune | Impressum | Optimiert für 1024 x 768 pxl Top