Bei vielen Menschen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) verschlimmern bakterielle Infektionen die Beschwerden. Infektiologen der Berliner Charité klärten jetzt erstmals, wie die Moraxellen, die bei etwa 50 Prozent aller COPD-Patienten die unteren Atemwege besiedeln, den Krankheitsverlauf beeinflussen.
In Versuchen an Zellkulturen wiesen die Forscher nach, dass die Keime an einen bestimmten Rezeptor auf der Zelloberfläche binden und damit die Reaktion des Immunsystems schwächen. «Die Bronchialschleimhaut reagiert zwar mit einer Entzündung, aber diese ist anscheinend zu schwach, um die Bakterien zu vernichten», sagt Studienleiterin Hortense Slevogt. Damit können die Moraxellen noch längere Zeit in den Bronchien der COPD-Patienten leben und die Lunge chronisch belasten.
COPD ist ein Sammelbegriff für eine Reihe von Lungenerkrankungen wie chronische Bronchitis und Lungenemphysem. Die Erkrankungen betreffen fast ausschließlich Raucher, Exraucher oder Menschen, die sich dem Rauch anderer aussetzen. In Deutschland leiden schätzungsweise vier bis sechs Millionen Menschen an COPD.
