Die Frauen in Deutschland bekommen wieder mehr Babys - und zwar erstmals seit der Wiedervereinigung im Osten genauso viele wie im Westen. Nach der Einführung des Elterngelds Anfang 2007 stieg die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau von 1,33 im Jahr 2006 auf 1,37 2007, die absolute Geburtenzahl erhöhte sich um etwa 12.000 auf rund 685.000, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte. Damit stieg die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau erstmals seit 2004 wieder leicht, die absolute Geburtenzahl ging sogar erstmals seit zehn Jahren wieder nach oben.
Einen höheren Wert bei der durchschnittlichen Kinderzahl pro Frau - der zusammengefassten Geburtenziffer - gab es zuletzt 2000 mit 1,38. Fünf Jahre zuvor hatte sie den Tiefpunkt von 1,25 erreicht, im Osten hatte die Geburtenziffer 1995 sogar nur noch bei 0,84 gelegen - nach 1,52 im Jahr 1990. Im Jahr der Wiedervereinigung hatten ostdeutsche Mütter zum letzten Mal mehr Kinder als Westdeutsche (1,45) - danach war die zusammengefasste Geburtenziffer im Osten immer niedriger als im Westen. 2007 zogen ostdeutsche Mütter erstmals wieder gleich mit Westdeutschen, wobei die Geburtenziffer von 1,30 im Jahr 2006 auf 1,37 im Jahr 2007 stieg. Im Westen stieg der Wert von 1,33 auf 1,37.
Beim Alter der Mütter fällt auf, dass vor allem Frauen zwischen 33 und 37 Jahren mehr Kinder bekamen. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) erklärte dazu: «Das scheint darauf hin zu deuten, dass sich die Perspektiven für diese Frauen, die schon mitten im Berufsleben stehen, verbessern.» Insgesamt nahm die Zahl der Geburten bei Frauen ab Ende 20 zu, während sie bei jüngeren Frauen auch 2007 zurückging.
Zur endgültigen Kinderzahl aktuell nur Schätzungen möglich
Bei der Berechnung der durchschnittlichen Kinderzahl je Frau werden alle Kinder berücksichtigt, die im Laufe eines Jahres geboren werden. Dabei spielt es weder eine Rolle, ob die Eltern miteinander verheiratet sind oder nicht, noch ob es sich um das erste, zweite oder ein weiteres Kind der Frau handelt. Diese zusammengefasste Geburtenziffer wird zur Beschreibung des aktuellen Geburtenverhaltens herangezogen. Sie gibt an, wie viele Kinder eine Frau im Laufe ihres Lebens bekommen würde, wenn ihr Geburtenverhalten so wäre wie das aller Frauen zwischen 15 und 49 Jahren im jeweils betrachteten Jahr.
Wie viele Kinder ein Frauenjahrgang tatsächlich im Durchschnitt geboren hat, kann allerdings erst festgestellt werden, wenn die Frauen am Ende des gebärfähigen Alters sind, das zurzeit mit 49 Jahren definiert wird. Die endgültige Kinderzahl der Frauen, die jetzt 30 oder 20 Jahre alt sind, kann somit heute nur geschätzt werden.
Von der Leyen sieht Vertrauensvorschuss
Ministerin von der Leyen (CDU) begrüßte den Geburtenanstieg als «großen Vertrauensvorschuss, den wir nicht verspielen dürfen». Bund, Länder und Kommunen müssten Hand in Hand mit der Wirtschaft daran arbeiten, dass die jungen Eltern eine echte Chance haben, Familie und Beruf zu vereinbaren. «Wenn sie sich wie in der Vergangenheit erst die Frage "Beruf oder Kinder?" stellen müssen, bleibt oft das Thema Familie auf der Strecke», erklärte die Ministerin.
Der familienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Johannes Singhammer, erklärte, «vor allem der Erfolgsschlager Elterngeld kommt bei jungen Müttern und Vätern an». Es bleibe zu hoffen, dass die 12.000 Geburten mehr als im Vorjahr der Beginn einer Trendwende seien.
