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21. August 2008
Deutschland startet bei Offshore-Windparks durch


Hamburg - Die Zukunft der Windenergie liegt auf See, rund 90 Meter über dem Meeresspiegel. Dort drehen sich die Riesen-Windräder der sogenannten Offshore-Anlagen. Während die europäischen Nachbarn seit einigen Jahren in diese Technik investieren, gibt es in Deutschland bisher nur zwei Räder in unmittelbarer Küstennähe. Doch aufgrund neuer gesetzlicher Rahmenbedingungen werden jetzt hierzulande die ersten Hochsee-Windparks gebaut. «Wir haben den Anschluss noch nicht verloren», sagt der Vorstandsvorsitzende der Offshore-Stiftung, Jörg Kubier.

Der erste deutsche Offshore-Windpark, der unter Hochseebedingungen realisiert wird, entsteht zurzeit rund 45 Kilometer nördlich der Insel Borkum: das Testfeld «Alpha Ventus». Das Gebiet ist abgesteckt, die ersten Fundamente, sogenannte Tripods, liegen bereit und werden errichtet, sobald das Wetter es erlaubt. Noch in diesem Jahr sollen sich sechs Windräder drehen, weitere sechs bis zum Spätherbst 2009. Für dieses 180-Millionen-Euro-Projekt schlossen sich die sonst konkurrierenden Energiekonzerne Vattenfall, E.ON und der norddeutsche Versorger EWE zusammen.

Weitere Projekte stehen in den Startlöchern: Ab kommendem Jahr baut Prokon in der selben Gegend den Windpark «Borkum West II», an dem sich rund 40 Stadtwerke beteiligen. Das erste gewerbliche Großprojekt mit 80 Windrädern soll 2010 in Betrieb gehen und fast 1,8 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr liefern. Ebenfalls ab 2009 baut die in Emden ansässige Bard Engineering GmbH rund 100 Kilometer nordwestlich von Borkum den auch 80 Anlagen umfassenden Park «BARD Offshore 1». Zuvor entsteht in der Außenjade eine baugleiche Demonstrationsanlage, die Nearshore-Anlage «BARD VM».

Schub dank staatlicher Maßnahmen

Insgesamt genehmigte das für die Zulassung von Windenergieanlagen innerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone zuständige Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) bisher in der Nordsee 18 Parks mit 1.257 Anlagen und in der Ostsee drei Parks mit insgesamt 240 Anlagen. Derzeit liegen dem BSH Anträge für fast 70 weitere Offshore-Windparks vor.

Diesen Schub hat die Offshore-Branche in Deutschland nach Ansicht des Bundesverbands Windenergie (BWE) vor allem zwei Gesetzesänderungen zu verdanken. Zum einen schafft eine 2006 in Kraft getretene Regelung der Netzanbindung Klarheit: Sie verpflichtet den nächstgelegenen Netzbetreiber, den Strom vom Umspannwerk auf See zum Netzanschlusspunkt zu bringen. Nach früherer Lage mussten die Windpark-Betreiber dafür aufkommen.

«Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass der Vergütungsanreiz vergrößert wurde», sagt Claudia Grotz, Referentin für Politik beim BWE. Gemäß der Anfang 2009 in Kraft tretenden Novelle des Erneuerbare Energien Gesetzes wird Windkraftstrom aus allen Anlagen, die bis Ende 2015 ans Netz gehen, in den ersten zwölf Jahren mit 15 Cent je Kilowattstunde vergütet. Bisher seien es nur 9,1 Cent gewesen, sagt Grotz.

Auch nach Ansicht der Offshore-Stiftung haben die beiden staatlichen Maßnahmen die finanzielle Rahmenbedingungen erheblich verbessert. «Der Staat hat seine Schularbeiten gemacht, jetzt ist die Wirtschaft an der Reihe», sagt der Vorstandsvorsitzende Kubier. Deutschland habe noch keinesfalls den Anschluss verpasst: «Ich sehe keinen Grund für Torschlusspanik.»

Die Bundesregierung hat als Ziel ausgegeben, bis 2011 rund 1.500 Megawatt (MW) Offshore-Leistung zu erzielen. Bis 2030 sollen auf See Windräder mit einer Leistung von 25.000 Megawatt installiert sein und circa 15 Prozent des heutigen Stromverbrauchs liefern.

Herausforderungen 60 Kilometer vor der Küste

Jedoch haben viele bisher auch das Risiko gescheut, weil die natürlichen Bedingungen in deutschen Gewässern besonders hart sind: Erst jenseits der als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Wattenmeere und der Seeschiffahrtsstraßen darf gebaut werden - also 35 bis 50 Kilometer vor der Küste und damit in einer Wassertiefe von 25 bis 30 Metern. Daher sind Bau und Instandhaltung hierzulande besonders teuer.

Diesen besonderen Herausforderungen stehen nun auch die Betreiber von «Alpha ventus» gegenüber. 60 Kilometer vor der Küste herrschen Wind und Wellen. «Um ein Fundament einlassen zu können, brauchen wir über einen Zeitraum von drei bis vier Tagen eine ruhige See, also eine maximale Wellenhöhe von einem Meter», sagt Projektsprecher Lutz Wiese. Nur dann könne ein 40 Meter hoher und 700 Tonnen schwerer Tripod aufgestellt werden.

Und wenn die Anlagen einmal stehen, müssen sie dem rauen Klima trotzen. Dazu seien beispielsweise besondere Beschichtungen ober- und unterhalb der Wasserlinie nötig, erklärt Wiese. «Alpha Ventus» sei ein entscheidender Schritt: «Das ist ein Testfeld, an dem Unternehmen und Forscher Erfahrungen unter Offshore-Bedingungen sammeln können.»








 
 



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