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21. August 2008

Stromerzeugung in Zukunft dezentral



Hamburg - Klimafreundliche Stromerzeugung der Zukunft liegt nach Ansicht von Experten nicht in Riesenkraftwerken, sondern in kleinen dezentralen Anlagen. «Strom unter Einsatz von fossilen Energieträgern wird klimafreundlich nicht weit weg vom Nutzer in großen Kraftwerken produziert, sondern vor Ort bei den Verbrauchern», sagt Klimaexperte Wolfgang Seiler. Der große Vorteil der kleineren Anlagen liegt in der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK): Sie produzieren nicht nur Strom, sondern verwenden auch die dabei entstehende Wärme. Das spart Energie und schont das Klima.


Beim Einsatz der KWK werden laut Seiler mehr als 90 Prozent der eingesetzten Primär-Energie genutzt. Dies sei bei herkömmlichen, großen Elektrizitätswerken nicht der Fall: «Die verwandeln weniger als 40 Prozent der Primär-Energie in Strom, den Rest blasen sie über Kühltürme an die Luft.»

Die bei der KWK gewonnene Wärme hingegen wird über Fernwärmenetze an die umliegenden Verbraucher weitergeleitet. Da sich Wärme aber nicht effizient über große Stecken transportieren lasse, müsse ein Kraftwerk nah bei den Abnehmern stehen, erklärt Seiler, der ehemalige Direktor des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung (IMK-IFU) des Forschungszentrums Karlsruhe.


Mini-Blockheizkraftwerke für Einzelhaushalte


Die kleinste Variante dieser dezentralen Energieerzeugung sind Mini-Blockheizkraftwerke. Sie sind gerademal so groß wie eine Waschmaschine und passen in jeden Keller. Die mit einem Motor ausgestatteten Anlagen versorgen einzelne Haushalte oder mehrere Häuser mit Strom und Wärme. «Betrieben wird so ein Mini-Kraftwerk meistens mit Gas oder Heizöl, das der Verbraucher ganz normal über die Energieanbieter oder Brennstoffhändler bezieht», erklärt der Geschäftsführer des Bundesverbands Kraft-Wärme-Kopplung, Adi Golbach.

Bislang sind laut Verband in Deutschland rund 20.000 der Kleinstkraftwerke verkauft worden. Zwar ist die Anschaffung mit 10.000 bis 30.000 Euro für den Privat-Haushalt recht teuer, dafür spart der Verbraucher aber langfristig Energiekosten. Die Höhe der Einsparungen hängt von so vielen Faktoren ab, dass sie für jeden Nutzer individuell errechnet werden muss.

In einem durchschnittlichen Einfamilienhaus spart ein Mini-Kraftwerk nach Angaben eines Herstellers jedes Jahr ungefähr 35 Prozent der Gesamtenergiekosten. Dank staatlicher Förderung von KWK-Anlagen streicht ein solcher Haushalt zudem in einem Zeitraum von zehn Jahren knapp 14.000 Euro Subventionen ein. Insgesamt rechne sich die Investition aber erst nach etwa 20 Jahren. In größeren Gebäuden wie Hotels oder Mehrfamilienhäusern sind die Anschaffungskosten dagegen schon nach fünf bis acht Jahren erwirtschaftet.

Noch effizienter kann die Kraft-Wärme-Kopplung in mittelgroßen Kraftwerken genutzt werden, die ganze Wohnblöcke, Stadtteile oder Ortschaften über Fernwärmenetze mit Energie versorgen. «Dafür reicht die Initiative des Einzelnen natürlich nicht, da muss die Kommune verbindliche Versorgungskonzepte mit Fernwärmevorrang für ganze Gebiete erstellen», fordert Golbach. Auch der Rückbau von Gasleitungen dürfe dabei kein Tabu sein. Vor allem die lokalen Stadtwerke seien hier gefordert, die Initiative zu ergreifen.


Greenpeace sieht Zukunft in KWK



Auch Greenpeace sieht die Zukunft der Energieerzeugung in kleinen und mittelgroßen KWK-Anlagen. Die Entwicklung weg von großen Stromkraftwerken müsse unbedingt kommen, sagt Greenpeace-Energieexperte Andree Böhling. Dass es in Deutschland überwiegend ineffiziente Großkraftwerke ohne KWK gebe, sei vor allem die Schuld der Energiekonzerne: «Die vier Marktbeherrscher RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall tun alles, um ihre Vormachtstellung mit überdimensionierten Kohle- und Atomkraftwerken zu halten.» Darum liege der Anteil von KWK an der Stromerzeugung hierzulande immer noch bei nur zwölf Prozent.

Insgesamt hat die Technologie in Deutschland laut Bundeswirtschaftsministerium ein Potenzial von fast 60 Prozent. Das von der Bundesregierung ausgegebene Ziel, den KWK-Anteil bis 2020 auf 25 Prozent zu verdoppeln, reicht Umwelt-Aktivist Böhling daher nicht. Er fordert für den selben Zeitraum eine Verdreifachung des Anteils.

Schließlich reduziere KWK neben den Kosten für teure Energieimporte auch die Emission von CO2, sagt Böhling: «Eine kleine KWK-Anlage stößt unterm Strich sogar weniger CO2 aus als ein Atomkraftwerk.» Aus Atomenergie werde ja nur Strom geliefert, Wärme müsse separat bereitgestellt werden.

Vattenfall sieht jedoch keinen grundsätzlichen Wandel zu dezentraler Stromproduktion. Kleine und mittelgroße Kraftwerke seien kein Ersatz, sondern Ergänzung für die zentrale Stromerzeugung, betont Pressesprecherin Barbara Meifert. KWK werde auch von Vattenfall betrieben, vor allem in urbanen Gebieten, wo sie besonders gut einsetzbar sei.






 

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