Ihr Standort: Home -> News
  


21. August 2008
Keine einfache Gleichung möglich


Frankfurt - Der Blick auf die Zapfsäule treibt nicht nur den Autofahrern allgemein, sondern vor allem dem Transportgewerbe Sorgenfalten auf die Stirn. Der hohe Treibstoffpreis lässt Gütertransporte teurer werden, vor allem bei der Frachtschifffahrt: Im ersten Quartal 2008 verteuerte sich der Frachtumschlag im Vorjahresvergleich um 4,6 Prozent. Welche Auswirkungen haben die hohen Treibstoff- und damit Transportkosten auf die Globalisierung? Wird diese langfristig wieder zurückgedreht, wie in letzter Zeit zu hören ist?

«Das glaube ich nicht - ich denke, dass es nur zu einer Reduzierung des Globalisierungstempos kommen wird», meint Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Das werde aber möglicherweise weniger über die Transportkosten ablaufen, sondern über die Schwächung des Wachstums. Matthes geht aber davon aus, dass die dämpfenden Effekte des Ölpreises diesmal weniger stark sein werden als bei den letzten beiden Ölkrisen.

«Wir sind heute besser aufgestellt, um den Öl- und Rohstoffpreisanstieg zu verkraften», sagt der Experte für Internationale Wirtschaftspolitik. Bei den vergangenen Krisen sei die Abhängigkeit vom Öl viel größer gewesen als heute, zudem hätten Politik und Wirtschaft falsch reagiert, was umso heftigere Wachstumseinbrüche nach sich gezogen habe. Das sei diesmal nicht so, weil etwa die Lohnpolitik nicht so expansiv sei. Zudem spielten heute die Schwellenländer als zweiter Wachstumsmotor neben den Industrieländern eine wichtigere Rolle als damals. «Die Binnenkonjunktur dort läuft gut, was unsere Exporte fördert - und die Industrieländer können von dort weiterhin billige Güter beziehen», erklärt Matthes.

Containerschiffe fahren langsamer

Der Welthandel werde nicht einbrechen, sondern nur gedrosselt wachsen, erwartet Matthes. Beim Transportkostenanstieg müsse man berücksichtigen, dass der Anteil der Kraftstoffkosten bei den Industrieunternehmen nur bei etwa einem Prozent liege. Zudem gebe es Einsparmöglichkeiten: «Reedereien lassen ihre Schiffe deutlich langsamer fahren, wenn die Geschwindigkeit um 20 Prozent reduziert wird, sinkt der Dieselverbrauch um 50 Prozent», erklärt Matthes. «Das ist ein relativ großer Hebel.» Vor allem verweist der Ökonom aber darauf, dass die Globalisierung nicht nur den Warenhandel betreffe: «Sie umfasst auch Dienstleistungen, etwa Softwareprogrammierung in Indien - das ist völlig unabhängig vom Ölpreis.»

«Vor allem für Produkte mit hohem Gewicht wird es wohl eine gewisse Regionalisierung geben, aber bestehende Strukturen werden wohl nur wenig aufgebrochen werden», prognostiziert Matthes. Zum Beispiel hätten nach der letzten Ölkrise die USA mehr aus dem näheren Lateinamerika importiert und anteilsmäßig weniger aus Europa und Asien. «Eine grobe Entwicklung in diese Richtung wird es möglicherweise auch diesmal geben», vermutet Matthes.

Differenzierung nach Warenwert und Transportkosten

Auch Ulrich Petschow vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung beantwortet die Frage nach den Auswirkungen der Energiekosten auf die Globalisierung differenziert. Die Erhöhung der Transportkosten wirke sich auf die verschiedenen Waren unterschiedlich aus, erklärt er: So seien etwa bei der Stahlindustrie in den USA die Importe aus China deutlich zurückgegangen. «Aber etwa bei Digitalkameras wirken sich die Transportkosten nicht deutlich auf den Gesamtpreis aus.»

Bei den Transportkosten seien keine generellen Aussagen möglich, da zum Beispiel auch steigende Energiepreise durch größere Container ausgeglichen würden, die die Preise sinken ließen, erklärt Petschow. «Eine einfache Gleichung "Hohe Energiepreise = alles andere geht zurück" ist nicht möglich.» Man müsse dabei differenzieren nach Warenwert und Transportkosten.

Zudem seien bei der Globalisierung, beziehungsweise bei der Frage, ob diese zurückgedreht werde, auch andere Faktoren als die Energiekosten ausschlaggebend, betont Petschow. So gebe es etwa auch in China steigende Lohnkosten, so dass inzwischen teilweise wieder eine Standortverlagerung von China in andere Billiglohnländer stattfinde. Eine Rolle spiele auch mangelnde Qualität, die zu einer Standortverlagerung zurück nach Deutschland führe. «Es gibt eine Rückverlagerung nach Deutschland - aber aus anderen Gründen als den Energiepreisen», sagt Petschow.








 
 



* kostenlos, 2x täglich
 

Google

Mobbing-Studie

Fregatte Karlsruhe verscheucht Piraten

... das wird aber auch mal Zeit!

Wirtschaftspresse ist Pflicht auch bei Lehman

Steuernsparen

AW: Vater wegen Misshandlung von Zwillingen vor Gericht

Ach,

Metallsonde

dejdar

Fragwürdige Bewertungen


- Anzeige -

 


- Anzeige -

 

Copyright by net-tribune | Impressum | Optimiert für 1024 x 768 pxl Top