Russland hat die militärische Zusammenarbeit mit der NATO auf Eis gelegt. Das NATO-Hauptquartier in Brüssel wurde am späten Donnerstagnachmittag offiziell über die Entscheidung informiert, wie Sprecherin Carmen Romero der Nachrichtenagentur AP sagte. Das russische Verteidigungsministerium habe entschieden, «die militärische Zusammenarbeit mit den NATO-Staaten bis auf weiteres auszusetzen», erklärte Romero. Der russische Außenminister Sergej Lawrow betonte indes, Moskau wünsche keinen vollständigen Abbruch der Beziehungen.
«Wir haben nicht die Absicht, die Tür zuzuschlagen», sagte Lawrow laut einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Interfax in Moskau. Mit der vorläufigen Suspendierung der militärischen Zusammenarbeit reagierte Moskau auf eine Entscheidung der NATO vom Dienstag. Die NATO-Außenminister hatten wegen des Kriegs in Georgien beschlossen, bis zum Abzug der russischen Truppen aus dem georgischen Kernland die regelmäßigen Kontakte mit Moskau im Rahmen des NATO-Russland-Rats auszusetzen.
Die militärische Zusammenarbeit mit Russland war von dem NATO-Beschluss nicht unmittelbar betroffen. Sie besteht im Wesentlichen in gemeinsamen Übungen. Zudem hat sich Russland zwei Mal an Antiterror-Patrouillen der NATO im Mittelmeer beteiligt, auch bei der Entwicklung moderner Abwehr-Raketen arbeiteten die beiden Parteien zusammen. NATO-Sprecherin Romero sagte, ihres Wissens seien in den nächsten Wochen keine gemeinsamen Aktivitäten geplant.
Zusammenarbeit im Kampf gegen Drogenanbau in Afghanistan
Lawrow erklärte laut Interfax, die NATO sei für ihren Einsatz in Afghanistan in Russland angewiesen. Nach dem Moskau-kritischen Beschluss vom Dienstag seien «führende Mitglieder der Allianz» auf die russische Regierung zugekommen und hätten gebeten, «unsere Zusammenarbeit mit der NATO für Afghanistan nicht zu beenden». Ob sich die Aussetzung der militärischen Zusammenarbeit auch hierauf bezog, war zunächst unklar.
Russland beteiligt sich an der Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte für den Kampf gegen Drogen. Moskau hat den NATO-Staaten zudem gestattet, Nachschub für ihre Truppen in Afghanistan über sein Territorium zu transportieren. Bislang werde dieser Transportweg mangels Zustimmung der benachbarten zentralasiatischen Staaten aber ohnehin nicht genutzt, hieß es bei der NATO.
Der russische Botschafter bei der NATO, Dmitri Rogosin, wurde zu Beratungen über das weitere Vorgehen nach Moskau einbestellt. Nach Angaben eines Mitarbeiters wollte Rogosin am Freitag nach Russland reisen.
NATO startet Übung im Schwarzen Meer
Unterdessen trafen im Schwarzen Meer drei Kriegsschiffe der NATO zu einer Übung ein. Mit dem Konflikt in Georgien, das im Osten des Binnenmeers liegt, besteht nach Darstellung der NATO kein Zusammenhang. Es handele sich um eine seit langem geplante Übung mit Routine-Besuchen in Häfen der NATO-Mitglieder Bulgarien und Rumänien, erklärte Vizeadmiral Pim Bedet im militärischen Hauptquartier der NATO im südbelgischen Mons.
Zu den drei Schiffen aus Deutschland, Polen und Spanien soll Ende der Woche eine US-Fregatte hinzustoßen, die «USS Taylor». Auch bulgarische und rumänische Schiffe sollen an dem auf drei Wochen angelegten Übungsmanöver teilnehmen, das nach Angaben der NATO schon seit über einem Jahr geplant war.
