Bei der Flugzeugkatastrophe von Madrid mit 153 Todesopfern ist vermutlich auch eine vierköpfige Familie aus Oberbayern ums Leben gekommen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes erklärte am Donnerstag, es gebe Hinweise der spanischen Behörden, dass vier Deutsche bei dem Unglück am Mittwoch ums Leben gekommen seien. Vermisst wurde eine vierköpfige Familie aus Bayern. Berichte, wonach es zwei weitere deutsche Todesopfer geben solle, konnte der Sprecher nicht bestätigen. Die Unglücksursache war unterdessen weiter unklar.
Die endgültige Identifizierung der Opfer könne noch einige Tage in Anspruch nehmen, hieß es in Berlin. Die Eltern, die Mutter 38 Jahre und der Vater 50 Jahre alt, und ihre beiden kleinen Jungen (acht und fünf Jahre alt) aus dem Münchner Vorort Pullach standen auf der Passagierliste der Spanair-Maschine und galten zunächst als vermisst. Die Polizei sicherte DNA-Spuren in der Wohnung der Vermissten, um bei einer eventuellen Identifizierung zu helfen. Die Angehörigen der Familie wurden von einem Kriseninterventionsteam betreut.
Für den Flug mit der Maschine vom Typ McDonnell Douglas MD-82 waren auch sieben Personen mit einem Ticket der Lufthansa eingecheckt, die eine Partnergesellschaft der Spanair ist. Nach Angaben der stellvertretenden spanischen Ministerpräsidentin Maria Teresa Fernandez de la Vega waren insgesamt 18 Ausländer aus elf Ländern an Bord der Maschine mit Ziel Las Palmas auf der Ferieninsel Gran Canaria.
Von den 172 Menschen auf dem Flug überlebten nur 19. Die Maschine stürzte noch auf dem Flughafen Madrid ab und ging in einem riesigen Feuerball auf. An Bord waren auch 22 Kinder, von denen nach bisherigen Angaben nur drei überlebten. Ob darunter auch die Jungen aus Deutschland sind, ist unklar.
BKA schickt Berater nach Spanien
Das Bundeskriminalamt (BKA) entsandte Experten seiner Identifizierungskommission nach Spanien, die zunächst als Berater vorgesehen waren. Mitarbeiter der deutschen Botschaft bemühen sich nach Angaben des Auswärtigen Amtes zudem vor Ort um Aufklärung.
Die Todesopfer wurden in ein Kongresszentrum in Madrid gebracht, wo sie identifiziert werden sollen. Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero brach nach der Katastrophe seinen Urlaub in Südspanien ab und eilte zum Madrider Flughafen und anschließend zum Kongresszentrum. Angehörige von Passagieren und Besatzungsmitgliedern wurden von der Öffentlichkeit abgeschirmt.
Der Absturz ist das schwerste Luftfahrtunglück in Spanien seit 25 Jahren. Die Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Die Fahnen in der Hauptstadt Madrid wurden auf Halbmast gesetzt. Bundespräsident Horst Köhler reagierte mit Bestürzung auf die Katastrophe und sicherte dem spanischen König Juan Carlos I. die tiefe Anteilnahme der Bundesrepublik zu. Auch die britische Königin Elizabeth II. und Papst Benedikt XVI. kondolierten.
Möglicherweise Triebwerksprobleme
Unterdessen versuchen Experten, die Unfallursache zu ermitteln. Bei der Unglücksmaschine gab es zwar kurz vor dem Start Probleme mit einem Temperaturfühler, wie Spanair mitteilte. Doch Experten zufolge kann dies allein noch keinen Absturz verursachen. Medienberichten fiel beim Start ein Triebwerk aus, Zeugen sprachen zudem davon, dass einer der beiden Motoren Feuer fing. Es ist unklar, ob dies den Absturz verursachte.
Die beiden Flugschreiber wurden nach Unternehmensangaben geborgen. Die Unglücksursache ist aber weiter unklar. Der Start der Maschine verzögerte sich am Mittwoch zunächst, weil der Pilot ein Problem mit einem Außentemperaturfühler feststellte. Der Sensor wurde laut Spanair danach abgeschaltet und die Maschine freigegeben. Luftfahrtexperten gehen davon aus, dass allein ein defekter Temperatursensor das Unglück nicht ausgelöst haben kann.
