Bei der Flugzeugkatastrophe von Madrid mit 153 Todesopfern ist möglicherweise auch eine Familie aus Oberbayern ums Leben gekommen. Die Eltern und ihre beiden kleinen Jungen standen auf der Passagierliste der Spanair-Maschine und gelten als vermisst, wie das bayerische Landeskriminalamt am Donnerstag mitteilte. Die vierköpfige Familie stammt aus dem Münchner Vorort Pullach. Die Unglücksursache ist unterdessen weiter unklar. Insgesamt könnten bis zu sechs Menschen aus Deutschland getötet worden sein.
Für den Flug mit der Maschine vom Typ McDonnell Douglas MD-82 waren auch sieben Personen mit einem Ticket der Lufthansa eingecheckt, die eine Partnergesellschaft der Spanair ist. Bei der deutschen Familie handelt sich um Eltern und ihre beiden kleinen Söhne aus Pullach bei München, wie eine Sprecherin der Gemeinde sagte. Die Jungen sind demnach jünger als zehn Jahre. Ob die Familie überlebte, ist unklar. Nach Angaben des bayerischen Landeskriminalamtes wird sie als vermisst geführt.
Die Polizei sicherte DNA-Spuren in der Wohnung der Vermissten, um bei einer eventuellen Identifizierung zu helfen. Die Angehörigen der Familie wurden von einem Kriseninterventionsteam betreut. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass die Familie an Bord war. Spanair berichtete am Donnerstag sogar von insgesamt sechs Deutschen an Bord.
Von den 172 Menschen auf dem Flug überlebten nur 19. Die Maschine stürzte noch auf dem Flughafen Madrid ab und ging in einem riesigen Feuerball auf. An Bord waren auch 22 Kinder, von denen nach bisherigen Angaben nur drei überlebten. Ob darunter auch die Jungen aus Deutschland sind, ist unklar. Die Maschine war auf dem Weg nach Las Palmas auf der Ferieninsel Gran Canaria.
BKA schickt Berater nach Spanien
Das Bundeskriminalamt (BKA) entsandte Experten seiner Identifizierungskommission nach Spanien, die zunächst als Berater vorgesehen waren. Mitarbeiter der deutschen Botschaft bemühen sich nach Angaben des Auswärtigen Amtes zudem vor Ort um Aufklärung.
Die Todesopfer wurden in ein Kongresszentrum in Madrid gebracht, wo sie identifiziert werden sollen. Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero brach nach der Katastrophe seinen Urlaub in Südspanien ab und eilte zum Madrider Flughafen und anschließend zum Kongresszentrum. Angehörige von Passagieren und Besatzungsmitgliedern wurden von der Öffentlichkeit abgeschirmt.
Der Absturz ist das schwerste Luftfahrtunglück in Spanien seit 25 Jahren. Die Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Die Fahnen in der Hauptstadt Madrid wurden auf Halbmast gesetzt. Bundespräsident Horst Köhler reagierte mit Bestürzung auf die Katastrophe und sicherte dem spanischen König Juan Carlos I. die tiefe Anteilnahme der Bundesrepublik zu. Auch die britische Königin Elizabeth II. und Papst Benedikt XVI. kondolierten.
Möglicherweise Triebwerksprobleme
Unterdessen versuchen Experten, die Unfallursache zu ermitteln. Bei der Unglücksmaschine gab es zwar kurz vor dem Start Probleme mit einem Temperaturfühler, wie Spanair mitteilte. Doch Experten zufolge kann dies allein noch keinen Absturz verursachen. Medienberichten fiel beim Start ein Triebwerk aus, Zeugen sprachen zudem davon, dass einer der beiden Motoren Feuer fing. Es ist unklar, ob dies den Absturz verursachte.
Die beiden Flugschreiber wurden nach Unternehmensangaben geborgen. Die Unglücksursache ist aber weiter unklar. Der Start der Maschine verzögerte sich am Mittwoch zunächst, weil der Pilot ein Problem mit einem Außentemperaturfühler feststellte. Der Sensor wurde laut Spanair danach abgeschaltet und die Maschine freigegeben. Luftfahrtexperten gehen davon aus, dass allein ein defekter Temperatursensor das Unglück nicht ausgelöst haben kann.
