Tschechen und Slowaken haben am Donnerstag gemeinsam der Invasion sowjetisch geführter Warschauer-Pakt-Truppen vor 40 Jahren gedacht. Der tschechische Ministerpräsident Mirek Topolanek schrieb in einem Leitartikel für die Zeitung «Lidove Noviny»: «Kommunismus ist nicht reformierbar. Jeder Versuch, ihn zu reformieren, führt zu seiner Zerstörung.»
Mit dem Einmarsch in der Nacht zum 21. August 1968 beendete Moskau den sogenannten Prager Frühling - einen tschechoslowakischen Versuch, mit demokratischen Reformen einen «Sozialismus mit menschlichem Antlitz» zu verwirklichen. Mit der «samtenen Revolution» von 1989 wurde das kommunistische System gestürzt, 1993 lösten Tschechen und Slowaken friedlich den gemeinsamen Staat auf.
Topolanek bezeichnete ein Bündnis mit dem Westen als «einzige Verteidigung gegen Moskaus Imperialismus». Dies sei «die Hauptlektion aus dem August 1968». Topolanek schien damit auch auf die aktuelle Lage in Georgien anzuspielen, in dem russische Truppen Südossetien und weitere Gebiete besetzt haben.
Der tschechische Staatspräsident Vaclav Klaus reiste nach Bratislava, um dort an den Gedenkfeierlichkeiten teilzunehmen. Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico kam nach Prag, um mit seinem Topolanek auf dem Wenzelsplatz an die Ereignisse zu erinnern. Auf dem zentralen Platz in der Prager Altstadt gab es zudem eine Ausstellung mit Protestplakaten, einem sowjetischen T-54-Panzer und einem tschechischen Polizeiauto aus jener Zeit.
US-Außenministerin Condoleezza Rice verglich vergangene Woche das russische Vorgehen gegen den kleinen Kaukasus-Nachbarn Georgien mit dem der Sowjetunion vor 40 Jahren und erklärte, diesmal werde Moskau nicht damit durchkommen, einen Nachbarn zu besetzen und dessen Regierung einfach abzusetzen.
