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21. August 2008
Zweiter Startversuch endet tödlich


Frankfurt - Die Flugdatenschreiber sind gefunden, die Sprachaufzeichnungen aus dem Cockpit gesichert. Doch die Ermittlungen nach dem Flugzeugunglück von Madrid werden sich wohl noch lange hinziehen. Denn nach einer derartigen Tragödie beginnt für Ermittler eine mühsame Kleinarbeit. Bis es einen abschließenden Untersuchungsbericht gibt, können Jahre vergehen.

Zu möglichen Ursachen des Madrider Unglücks mit 153 Toten gab es auch am Donnerstag nur vage Hinweise. Sicher ist, dass der missglückte Startversuch der McDonnell Douglas MD-82 von Spanair am Mittwochnachmittag bereits der zweite war. Kurz zuvor meldete der Pilot ein Problem mit dem Außentemperaturfühler, den Techniker abschalteten. Die Maschine wurde anschließend freigegeben. Nach Angaben von Spanair ist dieses Vorgehen üblich.

Doch auch beim zweiten Versuch ging etwas schief - diesmal mit tödlichen Folgen. Die spanische Zeitung «El País» berichtete, ein Triebwerk der zweistrahligen Maschine sei ausgefallen und könnte beim Start Feuer gefangen haben. Zeugen berichteten zudem, dass das linke Triebwerk explodiert sei und kurz vor dem Absturz gebrannt habe.

Doch ob dies zum Absturz führte, ist unklar. Zwar ist der Ausfall eines Triebwerkes ausgerechnet beim Start für Piloten eine außergewöhnliche Situation, doch Experten zufolge kann die MD-82 notfalls auch mit nur einem Motor fliegen.

Spanair selbst weiß nach eigenen Angaben noch nicht, was die MD-82 zum Absturz brachte und verwies auf Ermittlungen der Regierung. Bei den Ermittlungen bekommen die spanischen Behörden Hilfe von den Experten der US-Unfallermittlungsbehörde NTSB.

Alvaro Gammicchia, selbst MD-82-Pilot und Vertreter der spanischen Pilotengewerkschaft SEPLA, sagte, dass allein der ausgefallene Temperatursensor nicht für den Absturz verantwortlich sein könne.

Probleme mit Triebwerken

Die Gesellschaft Spanair, die gemeinsam mit der Lufthansa in der Star Alliance organisiert ist, hatte schon in der Vergangenheit Probleme mit Triebwerken. So musste erst am Samstag eine MD-82 notlanden, weil es Probleme mit beiden Aggregaten gab. Das Flugzeug war auf dem Weg von Lanzarote nach Madrid und wurde nach Gran Canaria umgeleitet, wohin auch der Unglücksflug JK5022 am Mittwochnachmittag gehen sollte.

Aus Firmenkreisen verlautete am Donnerstag, man wisse noch nicht, ob es sich am Samstag um die Unglücksmaschine mit der Registrierung EC-HFP handelte. Nach dem Unfall hat Spanair noch acht MD-82 in der Flotte.

Oft eingesetztes Arbeitstier

Die MD-82 gehört zu einer Familie von Flugzeugen, die vom amerikanischen Hersteller McDonnell Douglas stammt, der 1997 im Luftfahrtkonzern Boeing aufging. Entwickelt wurde das Modell als Nachfolger der DC-9 in den 70er Jahren. 1980 übernahm die Swissair die erste Maschine der neuen Baureihe. Seitdem wurden etwa 1.300 Exemplare gebaut, später kamen auch Modelle der überarbeiteten Baureihe MD-90 hinzu. 1999 wurde die Produktion eingestellt.

Bis heute sind die Flugzeuge Arbeitstiere bei mehreren großen Fluggesellschaften. Allein American Airlines hat noch immer etwa 300 Maschinen der MD-80/MD-90-Familie im Dienst. Die Unglücksmaschine von Spanair wurde 1993 in Long Beach bei Los Angeles gebaut und zunächst bei Korean Air in den Dienst gestellt. 1999 kam die Maschine zu dem spanischen Unternehmen, das heute eine hundertprozentige Tochter der skandinavischen SAS ist.

Mit Flugzeugen der Baureihe gab es wiederholt Unglücke. In den vergangenen fünf Jahren wurden nach Angaben der NTSB etwa 35 Unfälle und andere Vorfälle in Verbindung mit der MD-80 gezählt. Am 16. September 2007 etwa schoss eine MD-82 der Orient Thai Airways über die Landebahn auf der Ferieninsel Phuket hinaus. Dabei wurden 89 Menschen getötet. Nur eineinhalb Monate später stürzte eine MD-83 von Atlasjet in der Türkei ab. 57 Menschen starben.

Eine brenzlige Situation gab es Ende September 2007, als eine MD-82 der American Airlines nach dem Start in St. Louis mit 138 Passagieren umkehren musste, weil ein Triebwerk Feuer fing. Für die Landung ließ sich zudem das vordere Fahrwerk nicht ausfahren. Der Besatzung gelang dies schließlich mit einem Notverfahren, so dass niemand verletzt wurde.

Zuletzt machten die Maschinen im Frühjahr Schlagzeilen, als US-Fluggesellschaften wie American Hunderte Maschinen am Boden ließen und etliche Flüge strichen, um Verkabelungen zu überprüfen. Trotz aller Probleme gilt die MD-80-Familie bei vielen Piloten als sicheres und zuverlässiges Flugzeug.

Schwerstes Unglück in Spanien seit 1983

Das Unglück auf dem Madrider Flughafen Barajas am Mittwoch ist das schwerste in Spanien seit 1983. Damals stürzte ein Jumbojet der kolumbianischen Avianca im Landeanflug auf Madrid ab, 181 Menschen kamen ums Leben. Das schwerste Unglück der zivilen Luftfahrt überhaupt ereignete sich ebenfalls in Spanien. 1977 prallte auf Teneriffa in dichtem Nebel ein Jumbo der KLM auf eine 747 der amerikanischen Pan Am. 583 Menschen kamen ums Leben, in der KLM-Maschine gab es nicht einen einzigen Überlebenden.

Auch das jetzige Unglück ereignete sich beim Start, auch dabei ging das Flugzeug in Flammen auf, so dass die Passagiere nur wenig Chancen hatten. Nur 19 Menschen überlebten den Absturz.








 
 



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