Gewisse prähistorischen Eisfunde aus den Schweizer Alpen sind nach neusten Erkenntnissen mindestens 1.000 Jahre älter als die Gletscherleiche «Ötzi» und damit die ältesten der Alpen. Es handelt sich um eine Holzschale und ein Lederstück, wie auf einer internationalen Fachtagung in Bern verlautete.
Die neuen Altersbestimmungen der über 300 Eisfunde vom Schnidejoch im Berner Oberland gehörten zu den wichtigsten Resultaten einer Tagung vom Donnerstag und Freitag an der Universität Bern. Sie führte über 130 Forscher aus Kanada, Norwegen, Österreich, Italien, der Schweiz und den USA zusammen - allesamt Länder, die bisher Gletscherfunde dieser Art gemacht haben.
Wie die Organisatoren mitteilten, haben sich die Funde vom 2.756 Meter hohen Schnidejoch als weit älter erwiesen als bisher angenommen. Die zwischen 2003 und 2007 entdeckten 300 Objekte reichen dabei von prähistorischen Kleidungsstücken aus Leder und Bast über einen Köcher und Pfeile bis hin zu bronzenen Gewandnadeln und römischen Schuhnägeln.
Die genaue Bestimmung von 46 dieser Fundstücke mittels Radiokarbonmethode an der ETH Zürich ergab nun, dass die Objekte rund 1.500 Jahre zurückdatiert werden müssen. «Wir wissen nun, dass es sich bei den Eisfunden vom Schnidejoch um die ältesten dieser Art in den Alpen handelt», wird Albert Hafner, der Verantwortliche des Schnidejoch-Projekts beim Archäologischen Dienst des Kantons Bern, zitiert.
Dazu gehört das Fragment einer bearbeiteten Holzschale mit Henkel wie auch ein Lederstück, wie Hafner auf Anfrage sagte. Die Objekte stammen aus der Zeit um 4.500 vor Christus und sind damit mindestens 1.000 Jahre älter als der weltberühmte Gletschermann «Ötzi», dessen Mumie 1991 am Südtiroler Tiesenjoch in 3.200 Meter Höhe gefunden worden war. Die Schnidejoch-Funde erlaubten aber auch die bisher präziseste Rekonstruktion von Gletscherschwankungen im Alpenraum in prähistorischer Zeit, betonte Martin Grosjean, Professor für Geografie an der Universität Bern.
