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21. August 2008
Guiness-Buch der Rekorde: Wenn die Ratte die Katze überragt


Hamburg - Top-Model Heidi Klum, eine Frau mit 4.225 Piercings, und ein Kettensägen-Jonglierer haben tatsächlich eines gemeinsam - sie alle stehen im aktuellen Guinness-Buch der Rekorde. Weltweit wurden mehr als 1.500 Extreme aus dem vergangenen Jahr gesammelt und mit noch einmal 2.000 älteren Rekorden zu einem dicken Schmöker zusammengefasst. So findet sich in den «Guinness World Records 2009» Skurriles, Ekliges, Verblüffendes und Unglaubliches. Die deutschsprachige Ausgabe ist gerade aus der Druckerei gekommen.

Allein das Buch an sich ist schon ein Rekord: Seit der Erstauflage im Jahr 1955 wurde das Guinness-Buch mittlerweile mehr als 110 Millionen Mal verkauft. Es ist damit nach Verlagsangaben das meistgekaufte urheberrechtlich geschützte Buch der Welt. Tausende Bewerbungen gehen jedes Jahr in der Zentrale in London ein, doch nur die außergewöhnlichsten Ideen werden einer der «Guinness World Records». Im vergangenen Jahr gab es mehr als 21.000 konkrete Rekordanmeldungen, von denen laut Verlag nur 2.600 angenommen wurden.

Geschafft haben es dieses Jahr unter anderem 10.000 Schüler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit der längsten Fußball-Dribbel-Staffel. Insgesamt überwanden sie gut 3.000 Kilometer. Von Leipzig brachten sie einen Ball in 100 Tagen über Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt, Stuttgart und München nach Basel, wo er zum Eröffnungsspiel der Fußball-Europameisterschaft am 7. Juni eintraf.

Der größte Malwettbewerb der Welt wurde von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee initiiert und erhielt knapp 123.000 Einsendungen. Am 3. Juni wurde damit eine 37 Kilometer lange Bilderschlange im Olympiastadion in Berlin ausgelegt und bedeckte 75.000 Sitzplätze.

Rekord muss messbar und brechbar sein

Um überhaupt eine Chance zu haben, muss ein Rekord vier Kriterien erfüllen: Er muss messbar, brechbar und für viele Menschen interessant sein und einen Superlativ darstellen. «Wir bewerten also nur einen hässlichsten Hund, der die meisten "Hässlicher-Hund"-Wettbewerbe gewonnen hat», erklärt Marco Frigatti, der Leiter der Rekord-Abteilung.

So machte die Vietnamesin Thienna Ho mit 5.135 Stück die meisten Sumo-Kniebeugen in einer Stunde. Dem Kanadier Aaron Gregg gelang es beim Jonglieren mit drei laufenden Kettensägen, diese insgesamt 86 Mal zu fangen. Und der US-Amerikaner Kevin Shelley zerbrach in der von Oliver Geissen moderierten TV-Show «Guinness World Records» die meisten Toilettendeckel: 46 Stück spaltete er - mit dem Kopf.

Heidi Klum musste für den Einzug in das beliebte Register nichts dergleichen machen. Die 35-Jährige wird den Rekordwächtern zufolge als ältestes Model auf der «Forbes»-Liste geführt. Dort belegt sie mit einem geschätzten Jahreseinkommen von rund 4,7 Millionen Euro Platz 84 von 100 Berühmtheiten.

Wem das alles zu skurril ist, der findet auch ganz «normale» Rekorde im Guinness-Buch. So ziemlich alle sportlichen Rekord-Leistungen sind verzeichnet.

Doch das Guinness-Buch ist mehr als eine reine Sammlung an Extremen. Es ist eine Art Spiegel der Gesellschaft und bildet auch aktuelle Trends ab. So umfasst die diesjährige Ausgabe neue Rubriken wie Harry-Potter, Pop-Diven und Gentechnik. Darin wurde die am stärksten genetisch veränderte Maus aufgenommen, die zehn Mal aktiver als normale Artgenossen ist und fünf Stunden lang nonstop mit einem Tempo von 20 Meter in der Minute lief.

Idee entstand 1951 auf der Jagd

Natürlich fehlt auch Ungewöhnliches aus der Natur nicht. Die größte Ratte mit einer Körperlänge von 70 Zentimetern plus Schwanz und damit der Größe einer Katze wurde in Indonesisch-Neuguinea gefunden. Das schläfrigste Säugetier ist ein australischer Dickschwanz-Schlafbeutler, der nach einer ausgiebigen Mahlzeit 367 Tage Winterschlaf gehalten hat.

Schließlich entstand auch die Idee für das Rekordbuch in freier Wildbahn. 1951 entkamen dem Geschäftsführer der Guinness-Brauerei und leidenschaftlichen Jäger Sir Hugh Beaver bei einem Jagdausflug mehrere Goldregenpfeifer. Der in seiner Jägerehre verletzte Beaver wollte herausfinden, ob gerade diese Art das schnellste Tier der Erde sei. Doch ein entsprechendes Buch fehlte, und so begann Beaver mit der Rekordjagd.

Das erste Buch erschien 1955, sechs Jahre später folgte die deutschsprachige Ausgabe. Inzwischen sind die «Guinness World Records» in 20 Sprachen und mehr als 100 Ländern erhältlich. Die aktuelle deutsche Ausgabe kommt am 6. September in den Buchhandel.)








 
 



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