Ein internationales Forscherteam hat in den lykischen Bergen im Südwesten der Türkei weitere Teile der monumentalen philosophischen Inschrift des Diogenes von Oinoanda entdeckt. Der als größte Inschrift der antiken Welt geltende Nachlass des Philosophen kann damit um 26 neue Fragmente ergänzt werden, wie das Deutsche Archäologische Institut (DAI) in Berlin am Donnerstag mitteilte. Die Forschergruppe wird von dem DAI-Mitarbeiter Martin Bachmann geleitet.
Die antike Stadt Oinoanda im türkischen Lykien steht schon seit geraumer Zeit im Fokus der Forschung. Erste Funde einer philosophischen Inschrift gab es bereits 1884. In den folgenden Jahren wurden diese zusammen mit weiteren Fragmenten dem Philosophen Diogenes von Oinoanda zugeordnet.
Zur genaueren Kartierung und weiteren Suche wurden sämtliche Fragmente der Diogenesinschrift an ihren jeweiligen Fundorten mit GPS - Global Positioning System, ein weltweites, satellitengestütztes Navigationssystem - eingemessen. Parallel dazu lief die Suche nach weiteren Fragmenten.
Von den 26 neu aufgefundenen Fragmenten sind «einige nur Bruchstücke mit wenigen Textfetzen, andere vollständige Sentenzen», teilte das dem Auswärtigen Amtes angegliederte DAI mit. Die größeren Textfragmente lieferten neue Einblicke in die Wirkungsgeschichte «zentraler Autoren der damaligen Weltliteratur». So setzt sich eine der neu entdeckten Inschriften mit den Ansichten Platons über die Weltschöpfung und die Unvergänglichkeit des Kosmos auseinander.
Hinzu kommen weitere Funde von Weih-Inschriften an der antiken Stadtmauer, in denen ein «Höchster Gott» angesprochen wird. Für die Forscher ergeben sich daraus «religionsgeschichtlich richtungsweisende Erkenntnisse über die Ausprägung des monotheistischen Kultes, der sich besonders ab dem 1. Jahrhundert nach Christus im heidnischen Bereich entwickelt».
Die Inschrift des epikureischen Philosophen Diogenes von Oinoanda - nicht zu verwechseln mit dem «Diogenes in der Tonne», dem Diogenes von Sinope - datiert übereinstimmenden Angaben zufolge wohl vom Ende des 2. Jahrhunderts nach Christus. Sie war offenbar im Originalumfang von 25.000 Wörtern auf 260 Quadratmetern der Stadtmauer von Oinoanda eingelassen. Weiniger als ein Drittel soll erhalten und auf mehr als 200 Fragmente über das gesamte Stadtgebiet verteilt sein.
