Frankreich verneigt sich vor seinen zehn in Afghanistan getöteten Soldaten. «Sie haben ihr Leben im Kampf gegen Terrorismus und Barbarei gegeben», sagte Staatspräsident Nicolas Sarkozy bei einer bewegenden Trauerfeier am Donnerstag im Pariser Invalidendom. Als Zeichen der Anerkennung verlieh er den Opfern posthum das Kreuz der Ehrenlegion.
Trotz des tragischen Verlustes und wachsender Kritik werde er die Truppen nicht aus Afghanistan abziehen, bekräftigte Sarkozy. «Weil wir nicht das Recht auf eine Niederlage haben. Eine Niederlage am Ende der Welt wäre eine Niederlage für Frankreich.»
Die Särge der Opfer des Taliban-Angriffs vom Montag waren in der Kirche aufgebahrt, mit der Nationalflagge und einem roten Barett bedeckt. Die Angehörigen, darunter zahlreiche Kinder, beugten sich schluchzend über die Särge und küssten sie. Sarkozy saß mit gefalteten Händen auf einem Stuhl, zum Ende der ökumenischen Zeremonie bekreuzigte er sich. Eine ungewöhnliche Geste für einen Staatschef im laizistischen Frankreich.
Kouchner: Der Terrorismus gewinnt
Nach dem verlustreichsten Tag für die französischen Streitkräfte seit mehr als zwanzig Jahren muss sich Sarkozy zunehmender Kritik erwehren. «Wir sitzen in der Klemme, die NATO-Strategie muss unbedingt geändert werden», sagte der Abgeordnete Pierre Lellouche von Sarkozys Partei UMP am Donnerstag. Die oppositionellen Sozialisten hatten eine Sondersitzung des Parlaments beantragt und gefordert, den Einsatz «neu zu definieren». Am 22. September werde die Regierung Rede und Antwort stehen, kündigte ein Sprecher am Donnerstag an.
Die Beunruhigung in Frankreich ist groß. «Ich erinnere Sie daran, dass der Terrorismus gewinnt», sagte Außenminister Bernard Kouchner vor Beginn der Trauerfeier zu Journalisten. «Jeder weiß, dass der Terrorismus besonders durch das genährt wird, was in Afghanistan passiert.» Deswegen komme ein Abzug nicht in Frage.
Verteidigungsminister Hervé Morin räumte die Notwendigkeit einer anderen Strategie gegenüber den Taliban ein. «Sie haben ihre Technik und ihre Methode geändert und sind zu wesentlich härteren Operationen in der Lage. Wir müssen uns auf Angriffe von größerer Gewalt vorbereiten.»
Franzosen Opfer von NATO-Kampfjets?
Morin widersprach Zeitungsberichten, wonach die französischen Soldaten der internationalen Schutztruppe ISAF am Montag unter Beschuss von NATO-Verbündeten aus der Luft gekommen seien. Dafür gebe es «keinen Hinweis». Auch das Pentagon erklärte am Mittwochabend, es habe dafür keine Anhaltspunkte. Sarkozy selbst wies Fragen am Donnerstag brüsk zurück. «Haben sie denn keinen Anstand?», fauchte er Journalisten mit Blick auf die Trauerfeier an. Den Angehörigen der Opfer sagte er indes vollständige Aufklärung zu.
Die Zeitung «Libération» berichtete am Donnertag unter Berufung auf Überlebende des Angriffs, die Verstärkung der Verbündeten sei erst nach Stunden eingetroffen und die Opfer seien nach langen Gefechten und Luftschlägen von NATO-Flugzeugen getötet worden. Kampfjets hätten nicht eingesetzt werden können, sagte Morin dagegen. Dazu seien die Angreifer und ISAF-Truppen zu dicht beieinander gewesen.
