Das vor der australischen Küste umherirrende Walkalb ist verletzt und soll eingeschläfert werden. Tierärzte und Meeresbiologen seien am Donnerstagnachmittag zu dem Schluss gekommen, dass das Tier die Nacht wohl nicht überleben werde, erklärte die Umweltbehörde in New South Wales. Seine Verletzungen seien schlimmer als zunächst angenommen. «Wir haben die schwere Entscheidung getroffen, es einzuschläfern», sagte die stellvertretende Direktorin der Behörde, Sally Barnes.
«Das Kalb war in einem schlechteren Zustand als sie zunächst angenommen hatten und die Verletzungen waren viel schwerer als gedacht, wahrscheinlich von einem Haiangriff», erklärte Barnes. Das Schicksal des Wals, von den Australiern «Colin» getauft, bestimmt seit seinem ersten Auftauchen am Sonntag die Schlagzeilen im Land. Das hungrige Tier versuchte mehrfach, an Booten zu saugen, die es offenbar mit seiner Mutter verwechselte.
«Es bricht uns das Herz angesichts dessen, was mit Baby Colin passiert», sagte der Ministerpräsident von New South Wales, Morris Iemma. «Es sieht nicht gut aus, aber alles wird versucht.» So besuchte am Donnerstag auch der als «Walflüsterer» bezeichnete Bunna Lawrie von der Minderheit der Aborigines das Tier. Er streichelte das Kalb und summte Lieder. Nach einigen Minuten schwamm der Wal jedoch davon, um sich an ein weiteres Boot zu schmiegen. «Er vermisst seine großen Freunde», sagte Lawrie.
Die Entscheidung für eine Tötung des Wals rief Protest hervor. «Sie hatten gesagt, sie wollten uns einen 24-stündigen Aufschub der Hinrichtung gewähren», rief Brett Devine von der Meeresschutzorganisation Devine Marine Group, während Behördenmitarbeiter ihn zu beruhigen versuchten. Der Umweltbehörde wurde vorgeworfen, nicht genug für das Kalb zu tun.
Meeressäuger sollte zunächst betäubt werden
Versuche, das Jungtier ins offene Meer zu lotsen, schlugen zuvor fehl, weil der Wal immer wieder die Nähe der Boote sucht. Es wurde auch erwogen, das Tier mit Hilfe einer Schlinge in die richtige Richtung zu ziehen oder es zu füttern. Barnes erklärte jedoch, es gebe keine andere Möglichkeit, als den Wal einzuschläfern. «Das ist sicherlich nicht das, was wir uns erhofft hatten», sagte sie.
Die Tierärzte und Behördenvertreter planten, den Wal zu betäuben und dann zur Küste zu bringen. Dort sollte ein tödliches Medikament in sein Herz injiziert werden.
