Frankreich hat am Donnerstag seinen zehn in Afghanistan getöteten Soldaten die letzte Ehre erwiesen. Im Pariser Invalidendom begann am späten Vormittag die Trauerfeier. Die Särge der zehn Opfer des Taliban-Angriffs vom Montag waren mit der Nationalflagge bedeckt. Verteidigungsminister Hervé Morin würdigte die neun getöteten Fallschirmjäger und einen Fremdenlegionär. «Unsere Soldaten haben ihren Beruf mit Mut, Entschlossenheit und Leidenschaft erfüllt», sagte er zuvor in einem Radiointerview.
Nach dem verlustreichsten Tag für die französischen Streitkräfte seit mehr als zwanzig Jahren wächst die Kritik an der Afghanistan-Politik von Staatspräsident Nicolas Sarkozy. «Wir sitzen in der Klemme, die NATO-Strategie muss unbedingt geändert werden», sagte der Abgeordnete Pierre Lellouche von Sarkozys Partei UMP am Donnerstag.
Morin kündigte an, er werde kommende Woche vor einem Parlamentsausschuss Rede und Antwort stehen. Die oppositionellen Sozialisten hatten eine Sondersitzung des Parlaments beantragt und gefordert, den Einsatz «neu zu definieren». Morin räumte die Notwendigkeit einer anderen Strategie gegenüber den Taliban ein. «Sie haben ihre Technik und ihre Methode geändert und sind zu wesentlich härteren Operationen in der Lage. Wir müssen uns auf Angriffe von größerer Gewalt vorbereiten.»
Morin widersprach Zeitungsberichten, wonach die französischen Soldaten der internationalen Schutztruppe ISAF am Montag unter Beschuss von NATO-Verbündeten aus der Luft gekommen seien. Dafür gebe es «keinen Hinweis». Auch das Pentagon erklärte am Mittwochabend, es habe für die Darstellung keine Anhaltspunkte.
Die Zeitung «Libération» berichtete in ihrer Donnerstagsausgabe unter Berufung auf Überlebende des Angriffs, die Verstärkung der Verbündeten sei erst nach Stunden eingetroffen und die Opfer seien nach langen Gefechten getötet worden. «Sobald der Angriff begann, wurde Verstärkung geschickt, 15 bis 20 Minuten später eine zweite Gruppe», sagte Morin dem Sender RTL. Sie seien nach 50 Minuten am Einsatzort gewesen. Kampfjets hätten nicht eingesetzt werden können, weil Angreifer und ISAF-Truppen zu dicht beieinander gewesen sein.
