Bonn - Die Gewerkschaft ver.di hat eine Kampagne gestartet, mit der den Mitgliedern die Vorzüge des Tarifabschlusses über die Auslagerung von 50.000 Telekom-Stellen näher gebracht werden sollen. Einen Tag nach der Einigung von Bad Neuenahr äußerte sich am Donnerstag ver.di-Verhandlungsführer Lothar Schröder in einem Interview, das im Intranet des Unternehmens allen Telekom-Beschäftigten zugänglich gemacht wurde.
Der Streik bei der Telekom lief derweil aus: Etwa 7.000 Beschäftigte nahmen nach Angaben eines Gewerkschaftssprechers am Donnerstag an Streikversammlungen teil, wo sie über die Einzelheiten des Abschlusses informiert wurden. Für Freitag - dem letzten Streiktag - sei die gleiche Größenordnung vorgesehen.
Die Gewerkschaft will vor der für Donnerstag und Freitag kommender Woche angesetzten Urabstimmung vor allem deutlich machen, dass es gelungen sei, das Einkommensniveau in den neuen T-Service-Gesellschaften in der Praxis zu sichern. Schröder betonte: «Es wird keinen Eingriff ins Portemonnaie der Beschäftigten geben.»
18 Monate lang, bis Ende 2008, würden die Gehälter zunächst durch die als «Rucksack» bezeichneten Ausgleichszahlungen des Unternehmens noch auf 100 Prozent gehalten, erläuterte Schröder. Danach beginne zwar die stufenweise Senkung. Die solle aber durch Lohnerhöhungen ausgeglichen werden, die ver.di in den ab 2009 wieder möglichen Tarifverhandlungen durchsetzen will. Auf längere Sicht sollen damit nach den Worten Schröders die Gehälter unverändert bleiben.
Zudem seien die Arbeitsplätze bei T-Service bis zum 31. Dezember 2012 gesichert, erklärte der Gewerkschafter. Dazu gesellten sich weitere wichtige Tarifbestandteile wie Altersteilzeit und Rationalisierungsschutz, die in die neuen Gesellschaften mitgenommen würden, erläuterte Schröder. Auch gebe es trotz Absenkungen von über 30 Prozent «kein Dumping bei den Einstiegsgehältern», betonte der Gewerkschafter. Damit hätten die Streikenden einen achtbaren Erfolg errungen.
«T-Service zur eigenen Erfolgsgeschichte machen»
Telekom und ver.di hatten am Mittwoch nach einwöchigem zähem Ringen und sechs Wochen Streik eine Einigung über die Arbeitsbedingungen bei den neuen T-Service-Gesellschaften gefunden, in die rund 50.000 Mitarbeitern in den Callcentern, dem Technischen Service und der Infrastruktur der Festnetzsparte T-Com zum 1. Juli wechseln. Die Gehälter sinken demnach in drei Stufen um 6,5 Prozent; die Arbeitszeit stiegt um vier Stunden pro Woche auf 38 Stunden. Im Gegenzug verzichtet der Konzern bis Ende 2012 auf betriebsbedingte Kündigungen in den neuen Unterfirmen.
Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger versicherte unterdessen, das Unternehmen wolle seine Callcenter auch langfristig nicht verkaufen. Obwohl ein Verkaufsverzicht mit ver.di nur bis 2010 vereinbart sei, sehe er auch danach nicht die Gefahr einer Auslagerung, sagte Sattelberger nach Angaben der in Hannover erscheinenden «Neuen Presse». «Soweit heute absehbar, ist das kein Thema für uns», zitierte die Zeitung den Manager.
In einem so sensiblen Bereich wie dem Service sei es zwingend notwendig, den «T-Service zur eigenen Erfolgsgeschichte zu machen», erklärte er. Sattelberger lobte den mit ver.di erzielten Kompromiss. Er biete den Mitarbeitern Weiterbildung und finanzielle Entwicklungschancen.